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Donnerstag, 29. Januar 2026

ANTHOLOGIE: She Won the West (1985)

Anthologien / Anthologies



She Won the West 
Autor / Author | Hrsg. / Ed. : Marcia Muller & Bill Pronzini [ed.]
Titel / Title: She Won the West. An Anthology of Western and Frontier Stories by Women
Verlag | Ort / Publisher: William Morrow and Company, Inc. : New York 1985
Seiten / Pages: 372
ISBN: 0-688-04701-7
Titelbild / Cover: Book Design by Jaye Zimet
Übersetzung / Translated by: -
             

Inhalt | Contents
Autor | Author Erzählung | Story Seiten | Pages
Muller. Marcia / Pronzini. Bill  Introduction 9
ATHERTON. GertrudeThe Conquest of Doña Jacoba 17
CATHER. Willa On the Divide 51
GATES. EleanorA Yellw Man and a White 69
AUSTIN. MaryThe Walking Woman 89
BOWER. B. M.The Lamb of the Flying U 101
SANDOZ. MariThe Girl in the Humbert 121
BARKER. ElsaFirst Notch 141
CURRY. Peggy SimpsonThe Brushoff 161
BEAN. AmeliaThe Warhorse of Spotted Tail 177
AHLSWEDE. AnnThe Promise of the Fruit 201
KELLY. CarlaA Season for Heroes 223
MULLER. MarciaSweeet Cactus Wine 243
WILLIAMS. JeanneThe Debt 257
JOHNSON. Dorothy M.The Hanging Tree273

Sprache / Language: Englisch
Quelle / Reference: Ebay-Auktion
Bemerkung / Note: -.


© by Karl Jürgen Roth



Samstag, 24. Januar 2026

ANTHOLOGIE: Wild Westerns (1988)

Anthologien / Anthologies

Wild Westerns  
Autor / Author | Hrsg. / Ed. : Bill Pronzini [ed.]
Titel / Title: Wild Westerns. Stories from the Grand Old Pulps
Verlag | Ort / Publisher: G. K. Hall & Co. : Boston, Massachusetts 1988 [= G. K. Hall Large Print Series]
Seiten / Pages: XI, 355 [Hardcover]
ISBN: 0-8161-4456-7
Titelbild / Cover: Jacket Design by David Reau Johnson
Übersetzung / Translated by: -
             

Inhalt | Contents
Autor | Author Erzählung | Story Seiten | Pages
Pronzini. Bill  Introduction V-XI
BRAND. Max The Laughter of Slim Malone 1-24
MULFORD. Clarence E. Hopalong Sits In 25-70
RAINE. Willliam MacLeod Doan Whispers 71-77
SHORT. Luke Swindle at Piute Sink 78-118
OVERHOLSER. Wayne D. Lawyer Two-Fist 119-140
JOHNSON. W. Ryerson Enough Gold 141-172
CUSHMAN. Dan I.O.U. - One Bulllet 173-193
DeROSSO. H. A. Vigilante 194-213
THOMPSON. Thomas A Wollopin' Good Chew 214-242
BONHAM. Frank Chivaree 243-262
SAVAGE Jr.. Les Dangerous Orders 263-291
LEONARD. Elmore Law of the Hunted Ones 292-352
Pronzini. Bill Acknowledgments 353-355


Sprache / Language: Englisch
Quelle / Reference: Original
Bemerkung / Note: Die 'Normalausgabe' erschien 1986.


© by Karl Jürgen Roth



Freitag, 19. September 2025

STORY: Angst (Bill Pronzini)


Angst

von Bill Pronzini

(Orig. „Fear“, 1995; Übers.: Reinhard Windeler)


Rache und Hass sind in Western häufig auftauchende Motive, um eine Handlung in Gang zu bringen und mit reichlich Action voranzutreiben. Wenn sich Bill Pronzini, für den dies der dritte Auftritt im AKWA Journal ist, dieser Themen annimmt, geht es deutlich gediegener zu und steht die psychologische Seite im Vordergrund. Was hat der Mann vor, den eine Falschaussage für acht Jahre hinter Gitter brachte? Und wovor fürchtet sich der Mann, der dafür verantwortlich war?
 
Die tiefgründige Story erschien erstmals 1995 in der März-Ausgabe des „Louis L’Amour Western Magazine“ und wurde im Jahre 2000 in der von John Jakes herausgegebenen Anthologie „A Century of Great Western Stories“ nachgedruckt.
Ein Jahr später nahm Pronzini sie in seine eigene Zusammenstellung von Western-Geschichten mit dem Titel „All the Long Years“ auf, und auch in seiner jüngsten Sammlung („The Hanging Man and Other Western Stories“, 2024) ist sie enthalten.

______________________________


Er saß mit dem Rücken zur Wand und wartete.

Der große Raum war voller Schatten, gemildert durch das frühe Tageslicht, das durch das Fenster zur Straße hereinfiel. Durch die Scheibe aus Flachglas konnte er die leere Hauptstraße von Boxelder sehen, wo der Regen auf die Pfützen voller Schlamm prasselte, der durch Wagenräder und Pferdehufe zu einem Morast geworden war. Der Wind rüttelte an dem an Ketten hängenden Schild an der Außenwand: R.J. CABLE, SATTELMACHER.

Vertraute Umrisse umgaben ihn im Halbdunkel. Werkbänke, übersät mit Lederresten, Hämmern, Werkzeugen zum Schneiden und Stanzen. Ein paar Sättel, fertige und noch in Arbeit befindliche — nicht halb so viele wie früher. Wandregale voller Zaumzeug und Trensen, Satteltaschen und anderem Zubehör. Einst hatten ihm die Werkzeuge und die Ergebnisse seines Handwerks Freude, Trost und ein gewisses Maß an Frieden beschert. Aber das war vorbei. Sogar die angenehmen Gerüche von neuem Leder, Bienenwachs und Geschirröl hatten in seiner Nase einen säuerlichen Beigeschmack bekommen.

Es war kalt im Laden; er hatte sich nicht die Mühe gemacht, ein Feuer zu machen, als er im Morgengrauen hergekommen war — wieder einmal nach einer schlaflosen Nacht. Aber er nahm die Kälte kaum wahr. Ihm war schon seit einer ganzen Weile kalt, die Art von Kälte, die einem in die Knochen kriecht und die kein Feuer jemals vertreiben kann.

Seine Hände, die er in seinem Schoß verschränkt hielt, waren schweißnass.

Er warf einen Blick auf die geschlossene Tür zum Lagerraum. Ein Kalender einer Saatgutfirma war daran befestigt — nicht, dass er einen Kalender gebraucht hätte, um zu wissen, welcher Tag heute war. Der 26. Oktober 1892. Der Tag nach dem Tag, für den die Entlassung von Lee Tarbeaux aus dem Gefängnis in Deer Lodge angesetzt war. Der Tag, an dem Tarbeaux nach acht langen Jahren nach Boxelder zurückkehren würde.

Der Tag, an dem Tarbeaux — so hatte er geschworen — dem Leben von Reed Cable ein Ende setzen würde.

Sein Blick blieb noch ein paar Sekunden länger an der Tür zum Lagerraum hängen. Die Schrotflinte befand sich dort hinten — die alte doppelläufige Remington seines Vaters, die er gestern von zuhause mitgebracht hatte — in einer Ecke an die Wand gelehnt und wartete, so wie er wartete. Er überlegte, sie zu holen und neben seinen Hocker zu stellen. Aber das war noch nicht nötig. Es war noch früh.

Er rieb seine feuchten Handflächen auf seiner Jeanshose und kramte dann in einer Westentasche nach seiner Taschenuhr. Er ließ den Sprungdeckel aufklappen und hielt das Zifferblatt dicht vor seine Augen. Zehn nach sieben.

Wie lange noch, bis Tarbeaux kam?

Frühestens am Mittag; es waren viele Meilen von Deer Lodge bis hierher. Wenn er arbeiten könnte, würde die Zeit schneller vergehen… aber er konnte nicht. Seine Hände waren für die Arbeit mit Leder nicht ruhig genug. Es würde schon schwierig werden, sie ruhig genug zu halten, um die Schrotflinte in Anschlag zu bringen, wenn es soweit war.

Noch ein paar Stunden, sagte er sich. Nur noch ein paar Stunden. Dann ist es endlich vorbei.

Er saß da und beobachtete die Straße, auf die der Regen fiel. Und wartete.


***


Es war Viertel nach zwölf, als Lee Tarbeaux den Stadtrand von Boxelder erreichte. Die Stadt war in der Zeit seiner Abwesenheit erheblich gewachsen — sogar stärker, als er erwartet hatte. Es gab auch mehr Farmen und kleine Ranches in der Gegend — Parzellen, die an Heimstättensiedler vergeben worden waren, wo früher nur das hügelige Grasland von Montana gewesen war. Alles ändert sich, früher oder später, dachte er, während er ritt. Das Land, die Städte und auch die Menschen. Manche Menschen.

Er kam an den Rinderpferchen in der Nähe des Eisenbahndepots vorbei, wo jetzt im Nieselregen nichts los war.

Er hatte viele Tage dort verbracht, als er für den alten Kendall gearbeitet hatte — und ganz besonders einen Tag, den er nie vergessen würde, denn jener Tag war der Anfang vom Ende seiner Freiheit für acht lange Jahre gewesen. Kendall war inzwischen tot; ’89 im Schlaf gestorben. 

Tarbeaux hatte es bedauert, als er es erfuhr, Wochen, nachdem es passiert war, als die Nachricht im Gefängnis die Runde machte. Er hatte weder dem alten Rindermann noch seinem Sohn Bob etwas nachgetragen. Die Kendalls waren nicht anders als die übrigen Leute hier; sie hatten Cables Lügen geglaubt und daran, dass in Tarbeauxs jugendlichem Ungestüm ein Hang zum Diebstahl steckte. Man konnte es ihnen nicht vorwerfen, dass sie sich hintergangen fühlten. Nur ein Mann war schuld, und das war Reed Cable.

Tarbeaux ritt langsam und genoss die kühle Oktoberluft mit ihren Vorboten auf den Schnee des Winters. Das Wetter machte ihm nichts aus, und es schien auch dem spatkranken Rotschimmel, den er einem Stallknecht in der Stadt Deer Lodge billig abgekauft hatte, nichts auszumachen — was angesichts des Alters und des Zustands des Tieres etwas überraschend war. Das zeigte nur, dass man sich nie ganz sicher sein konnte, weder bei Menschen noch bei Dingen, weder im Guten noch im Schlechten. Außer bei Reed Cable. Tarbeaux war sich sicher, dass Cable derselbe Mann war wie vor acht Jahren. Bruchstücke von Informationen, die durch die Gefängnismauern gedrungen waren, bestärkten ihn in seiner Gewissheit. 

Einige der Gebäude, die die Montana Street flankierten, waren ihm vertraut: Das Boxelder-Hotel, das ausgedehnte Areal der Steinmetz-Brauerei. Viele andere hingegen nicht. Es gab ihm ein seltsames, unbehagliches Gefühl, diese Stadt zu kennen und sie doch nicht zu kennen — zuhause zu sein und doch zu erkennen, dass es nie wieder sein Zuhause werden konnte. Er würde nicht lange bleiben. Nicht einmal über Nacht. Und sobald er wieder gegangen war, würde er nie wieder zurückkommen. Boxelder, ebenso wie Deer Lodge und all die närrischen Pläne aus seiner Kindheit, gehörte einer Vergangenheit an, die er vollständig begraben musste, wenn er überhaupt irgendeine Art von Zukunft haben wollte.

Ein an Ketten aufgehängtes Schild, das im Wind tanzte, tauchte vor ihm im grauen Nebel auf: R.J. CABLE, SATTELMACHER. Das Flachglasfenster unter dem Schild zeigte ein Rechteck aus Lampenlicht, obwohl in einer Ecke auf einem Schild „Geschlossen“ stand. Tarbeaux würdigte das Fenster kaum eines Blickes, als er vorbeiritt, und gab sich erst recht keine Mühe, durch das wasserfleckige Glas zu blicken. Es blieb ihm noch viel Zeit. Geduld war nur eines der Dinge, die ihn sein Gefängnisaufenthalt gelehrt hatten. Außerdem hatte er Hunger. Seit seinem kargen Frühstück unterwegs waren Stunden vergangen.

Er band den Rotschimmel an einen Haltebalken vor einem Restaurant namens Elite Cafe. Es war einer der neuen Lokale; niemand dort kannte oder erkannte ihn. Er bestellte heißen Kaffee und eine Schüssel Chili. Und während er aß, dachte er über die Dinge nach, die einen Menschen antreiben, die ihn zum Guten oder zum Schlechten prägen und verändern. Gier war eines davon; Hass ein anderes. Er kannte sich mit Hass aus; er hatte lange Zeit damit gelebt. Aber von den Dingen, die einen Mann innerlich zerfraßen, war er nicht das Schlimmste.

Das Schlimmste war Angst.


***


Als Cable die einsame, in einen Regenmantel gehüllte Gestalt draußen vorbeireiten sah, wusste er, dass es Lee Tarbeaux war. Auch ohne einen klaren Blick auf das Gesicht des Mannes, das durch einen geneigten Regenhut abgeschirmt war, wusste er es. Er spürte eine große Erleichterung. Es würde nicht mehr lange dauern.

Er streckte eine Hand nach der Schrotflinte aus, die neben seinen Hocker lehnte. Er hatte sie vor zwei Stunden aus dem Lagerraum geholt und griffbereit platziert.

Das Gefühl von Übelkeit in ihm wuchs und breitete sich aus, als er die Waffe quer auf seine Knie legte. Wegen seiner feuchten Handflächen fühlte sich das Metall schmierig an. Trotzdem nahm er seine Hände nicht weg von ihr.

Seine Gedanken schweiften ab, während er dort saß, und gingen, wie so oft in diesen Tagen,  wieder zurück zum Frühjahr ’84. Zwanzig Jahre alt waren sie beide in jenem Frühling, er und Lee Tarbeaux. Sie kannten sich gut, weil sie als Kinder zusammen in der Stadt aufgewachsen waren, aber sie waren nicht eng miteinander befreundet. Zu wenig Gemeinsamkeiten. Tarbeaux mit zu viel Temperament, er mit zu wenig. Lee voller Unternehmungslust, und er zu schüchtern, um mitzumachen.

Als Tarbeaux achtzehn wurde, fing er auf der K-Bar Ranch des alten Kendall an zu arbeiten. Er hatte schon immer eine draufgängerische Ader gehabt, und die hatte sich in den folgenden zwei Jahren dank einer ähnlichen Veranlagung bei Old Man Kendalls Sohn Bob noch verstärkt. Saufen, Huren, ein paar Saloonschlägereien. Keine ernsthaften Konflikte mit dem Gesetz, aber genug Ärger, um die Vertreter des Gesetzes auf Lee Tarbeaux aufmerksam zu machen.

Zur gleichen Zeit keinerlei Anzeichen von Wildheit bei Reed Cable. Ruhig und zuverlässig — das sagte jedermann über ihn. Ruhig, zuverlässig und ehrlich. Er nahm eine Stelle als Nachtportier im Boxelder-Hotel an. Nicht, weil er es auf diesen Job abgesehen hatte; Sattlerei und Lederarbeiten waren das, wonach er sich für sein Leben sehnte. Aber es gab bereits zwei Sattelmacher in der Stadt, und beide waren nicht daran interessiert, einen Lehrling einzustellen. Er wäre in eine andere Stadt gezogen, aber seine Mutter, die seit dem Tod seines Vaters für ihren Lebensunterhalt gesorgt hatte, war krank geworden und konnte nicht mehr als Näherin arbeiten. Woraufhin er die ganze Last tragen musste. Und der einzige anständige Job, den er finden konnte, war der des Nachtportiers.

Seine Mutter war im März jenes Jahres gestorben. Einen Monat, nachdem Tarbeauxs Tante — seine letzte Verwandte — verstorben war. Und an einem Tag Ende April, nach dem Roundup, trieben Bob Kendall, Lee Tarbeaux und der Rest der K-Bar-Mannschaft ihre Rinder in die Verladepferche der Eisenbahn. Der alte Kendall war nicht dabei; er litt an Gicht und lag im Bett. Bob Kendall hatte die Verantwortung, aber er war sowohl ein Dickschädel wie auch zur Hälfte ungezähmt: Alkohol, Frauen und Pokerspielen waren alles, was ihm wichtig war. Tarbeaux begleitete ihn, als der Viehaufkäufer aus Billings seine Berechnung abgeschlossen und den Kaufpreis in bar bezahlt hatte. Siebentausendvierhundert Dollar, alles in Scheinen.

Als der Handel abgewickelt war, hatte die Bank bereits geschlossen. Bob Kendall hatte keine Lust gehabt, den Bankier Weems zu suchen, damit dieser das Geld hätte in Empfang nehmen können. Er wollte sich lieber gleich ins nächtliche Vergnügen stürzen, also überließ er Lee die lästige Aufgabe. Tarbeaux unternahm einen halbherzigen Versuch, den Bankier ausfindig zu machen, und dann gewann sein eigenes Verlangen nach Spaß die Oberhand. Er ging zum Hotel, wo sein alter Freund Reed gerade seine Schicht angetreten hatte und wo die Lobby ansonsten menschenleer war, und legte die Satteltaschen voller Geld auf den Tresen. 

„Reed“, sagte er ohne weitere Erklärung, „tu’ mir einen Gefallen und leg’ diese Taschen für über Nacht in den Hotelsafe. Ich oder Bob Kendall werden sie gleich morgen früh abholen.“

Aus Neugier öffnete Reed die Taschen, nachdem Tarbeaux gegangen war. Der Anblick von all dem Bargeld ließ seine Knie weich und seinen Mund trocken werden. Er verstaute die Satteltaschen im Safe, aber er konnte nicht aufhören, an das Geld zu denken. So viele Dinge, die er damit machen könnte, so viele Wünsche, die er wahr werden lassen könnte. Zum ersten Mal entwickelte sich in ihm eine Kühnheit und eine Risikobereitschaft. Mit jeder Stunde, die verging, wurde das Geld mehr und mehr von einer Verlockung zu einer alles verzehrenden Besessenheit. Vielleicht hätte er sie verdrängen können, wenn seine Mutter noch am Leben gewesen wäre, aber er war ganz allein — ohne Zukunftsperspektiven und ohne jemanden, dem er Rechenschaft schuldig war, außer sich selbst.

Eine Stunde nach Mitternacht holte er die Satteltaschen aus dem Safe. Er brachte sie hinter die Stallungen des Hotels und versteckte sie in einem Gebüsch. Anschließend konnte er sich kaum daran erinnern; es war, als hätte sich alles in einem Traum ereignet.

Bob Kendall kam am nächsten Morgen um acht Uhr alleine herein, verkatert und schlecht gelaunt, gerade als der Tagesportier eintraf, der daher alles bezeugen konnte. Innerlich tobte ein Sturm in Reed Cable, aber nach außen hin war er die Ruhe selbst. Satteltaschen? Er wusste nichts von Satteltaschen voller Geld. Tarbeaux war am vorigen Abend nicht dagewesen, egal, was er behauptete. Er hatte Lee seit über zwei Wochen nicht mehr gesehen.

Zornbebend lief Bob Kendall direkt zum Sheriff, und der Sheriff verhaftete Tarbeaux. Der schwierigste Teil des Ganzen war, Lee gegenüberzutreten, die Lügen zu wiederholen und zuzusehen, wie sich die empörte Ungläubigkeit in Tarbeauxs Augen in blinden Hass verwandelte.

Aber das Geld war alles, woran er denken konnte. Das Geld, das Geld, das Geld…

Sein Wort stand gegen das von Tarbeaux, sein Ruf gegen den von Tarbeaux. Der Sheriff glaubte ihm, die Kendalls glaubten ihm, die Bewohner der Stadt glaubten ihm — und der Richter und die Geschworenen glaubten ihm. Das Urteil lautete auf „Schuldig“, die Strafe auf mindestens acht Jahre Zwangsarbeit.

Tarbeaux hatte Rache geschworen, als er aus dem Gerichtssaal geführt wurde. „Damit kommst du nicht durch, Reed!“ schrie er. „Du wirst dafür bezahlen und zwar teuer. Sobald ich ’rauskomme, komme ich zurück und sorge dafür, dass du bezahlst!“

Die Drohung hatte Cable damals erschüttert. Aber weder sie noch sein Gewissen hatten ihn lange geplagt. Tarbeauxs Entlassung aus Deer Lodge lag noch in ferner Zukunft; warum sich darüber Sorgen machen? Er hatte das Geld, er hatte seine Pläne — und als einer der beiden Sattelmacher der Stadt plötzlich an einem Schlaganfall starb, verwirklichte er bald das erste seiner Ziele.


***


Cable setzte sich auf dem harten Hocker anders hin. Das war damals und jetzt ist jetzt, dachte er bitter. Die ferne Zukunft war zur Gegenwart geworden. Schmerzen durchfuhren seinen Bauch und seine Brust; ein trockener Husten quälte ihn. Er wischte sich Schweiß aus den Augen und spähte wieder durch das Vorderfenster. Ein paar Fußgänger eilten auf dem Bürgersteig auf der Westseite vorbei; keiner von ihnen war Lee Tarbeaux.

„Komm’ schon“, sagte er laut. „Komm’ schon, verdammt noch ’mal, und bring’s hinter dich!“


***


Tarbeaux beendete sein Essen, holte seine Rauchutensilien hervor und drehte sich eine Zigarette, um sie bei einer letzten Tasse Kaffee zu genießen. Essen, Kaffee, Tabak — alles schmeckte wieder gut, jetzt, wo er frei war. Durch die ersten zwanzig Jahre seines Lebens war er im Eiltempo gerannt, hatte alles für selbstverständlich gehalten. Und durch die letzten acht hatte er sich gekämpft und gequält und nichts für selbstverständlich gehalten. Er hatte sich geschworen, dass er nach seiner Entlassung die ihm verbleibenden Jahre so langsam wie möglich verstreichen lassen würde, dass er sich die Zeit nehmen würde, um zu schauen, zu fühlen und zu lernen, und dass er jede Minute eines jeden neuen Tages wertschätzen würde.

Er bezahlte die Rechnung, ging über die Straße zu Adams Mercantile — einem weiteren neuen Geschäft, das von einem Fremden geführt wurde — und füllte seine Vorräte an Lebensmitteln und Tabak auf. Damit blieben ihm von seinen Ersparnissen aus dem Gefängnis nur noch drei Dollar übrig. Er musste sich bald irgendwo eine Bleibe suchen, zumindest für so lange, bis er einen Job erhielt und sich etwas aufbauen konnte. Danach… keine Eile, wo auch immer er hinging und was auch immer er tat. Überhaupt keine Eile.

Doch das Wichtigste zuerst. Es war an der Zeit, Reed Cable gegenüberzutreten.

Er empfand nichts, als er die Straße entlangging bis zu der Stelle, wo das an Ketten hängende Schild klapperte und tanzte. Er hatte sich schon vor langer Zeit in Gedanken darauf vorbereitet. Es fehlte nur noch der Schlussstrich.

Hinter dem Fenster der Sattlerei brannte immer noch das Licht einer Lampe. Ohne durch das Glas zu schauen, ohne zu zögern, öffnete Tarbeaux die Tür und trat unter dem Klingeln eines Glöckchens ein.

Cable saß auf einem Hocker an der rückwärtigen Wand, mit einer alten doppelläufigen Schrotflinte auf den Knien. Er rührte sich nicht, als Tarbeaux die Tür hinter sich schloss. Im fahlen Schein der Lampe wirkte Cable klein und geschrumpft. Seine schweißbefleckte Haut war fahl und eingefallen, und seine Hände zitterten. Er war in den letzten acht Jahren um zwanzig Jahre gealtert — vor seinem dreißigsten Geburtstag bereits ein alter Mann.

Die Schrotflinte überraschte Tarbeaux ein wenig. Er hatte nicht damit gerechnet, dass in Cable eine Bereitschaft steckte, es auf einen Kampf ankommen zu lassen. Er sagte, während er seinen Regenhut abnahm: „Du hast mich erwartet, wie ich sehe.“

„Ich wusste, dass du kommen würdest. Du hast dich nicht sehr verändert, Lee.“

„Doch, habe ich. Innerlich. Bei dir ist es genau umgekehrt.“

„Ach ja?“

„Ich weiß es. Willst du mich mit der Schrotflinte da erschießen?“

„Wenn du irgendwas versuchst, werde ich’s tun.“

„Ich bin nicht bewaffnet.“

„Und das soll ich dir glauben?“

Tarbeaux zuckte mit den Achseln und blickte sich langsam in dem Raum voller Schatten um. „Ziemlich gute Lederarbeit“, sagte er. „Du scheinst wirklich wie geschaffen zu sein für den Beruf des Sattelmachers, wie du immer behauptet hast.“

„Der Mensch muss ’was tun.“

„Das stimmt. Allerdings sollte er es mit ehrlich verdientem Geld tun.“

„Ist wohl so“, sagte Cable.

„Gibst du zu, dass du das K-Bar-Geld gestohlen hast, Reed? Keine Lügen mehr?“

„Bringt nichts, dich anzulügen.“

„Und den Sheriff und Bob Kendall? Bist du bereit, denen auch die Wahrheit zu sagen — dir alles von der Seele zu reden?“

Cable schüttelte den Kopf. „Dafür ist es zu spät.“

„Warum?“

„Ich könnte das Gefängnis nicht ertragen, deshalb. Ich würde es nicht aushalten.“

„Ich habe es acht Jahre lang ausgehalten“, sagte Tarbeaux. „Ist gar nicht so schlimm, wenn man sich erstmal dran gewöhnt hat.“

„Nein. Ich könnte es nicht, nicht einmal ein Jahr lang.“

„Ein Mensch kann auch dann im Gefängnis sitzen, wenn keine Gitterstäbe vor seinen Fenstern sind.“

Cable gab keine Antwort.

„Was ich meine, ist, es waren auch für dich acht harte Jahre. Härter, da bin ich mir sicher, als die, die ich durchlebt habe. Ist es nicht so?“

Immer noch keine Antwort.

„Es ist so“, sagte Tarbeaux. „Du hast dir diesen Laden zugelegt, und du bist zu einem Sattelmacher geworden. Aber von da an ging alles bergab. Angefangen mit Clara Weems. Du hast immer davon gesprochen, sie eines Tages zu heiraten, drei oder vier Kinder zu haben — dein anderes großes Ziel. Aber sie hat dich abgewiesen, als du um ihre Hand angehalten hast.  Hat stattdessen diesen Ladenbesitzer in Billings geheiratet.“

Bei diesen Worten zuckten Cables Hände an der Schrotflinte. „Woher weißt du das?“

„Ich weiß eine Menge über dich, Reed. Du hast zwei anderen Frauen einen Heiratsantrag gemacht; die wollten dich auch nicht. Dann hast du viertausend Dollar mit wertlos gewordenen Bergbauaktien verloren. Dann hat eines deiner Pferde eine Laterne umgestoßen und deine Scheune und dein halbes Haus niedergebrannt. Dann hast du dir eine Lungenentzündung zugezogen und warst im Winter ’90/’91 sechs Monate lang außer Gefecht —“

„Das reicht“, sagte Cable, aber seine Stimme klang nicht aufgebracht. Nur eine Art verzweifelte Müdigkeit lag darin.

„Nein, das reicht nicht. Seitdem geht es dir gesundheitlich schlecht, es wird immer schlechter, und die Quacksalber können nicht viel gegen die Schwindsucht tun. Wie viel Zeit geben sie dir noch — vier Jahre? Fünf?“

„Wer auch immer dir das gesagt hat, hat sie nicht mehr alle. Mir geht’s gut. Ich habe noch ein langes Leben vor mir.“

„Vier Jahre — höchstens fünf. Ich bin derjenige, der ein langes Leben vor sich hat. Und ich habe vor, es zu einem guten Leben zu machen. Weißt du noch, dass ich kaum lesen und schreiben konnte? Tja, ich hab’s im Gefängnis gelernt, und jetzt kann ich beides besser als die meisten anderen. Ich habe auch einen Beruf gelernt. Hufschmied. Eines Tages werde ich mein eigenes Geschäft haben, so wie du, mit meinem Namen auf einem Schild vor der Tür, das größer ist als deins.“

„Aber als Erstes musstet du hierherkommen und mit mir reinen Tisch machen.“

„Stimmt. Als Erstes muss ich mit dir reinen Tisch machen.“

„Mich umbringen, wie du es vor Gericht geschworen hast. Mich erschießen.“

„Das habe ich nie geschworen.“

„So gut wie.“

„Glaubst du, dass ich dich immer noch so sehr hasse?“

„Etwa nicht?“

„Nein“, sagte Tarbeaux. „Nicht mehr.“

„Das glaube ich dir nicht. Du lügst.“

„Du bist der, der lügt, Reed, nicht ich.“

„Du willst mich tot sehen. Gib’s zu — du willst mich tot sehen.“

„In vier oder fünf Jahren bist du tot.“

„So lange kannst nicht darauf warten. Du willst mich hier und jetzt tot sehen.“

„Nein. Ich wollte nur sicher sein, dass du für das bezahlst, was du mir angetan hast. Und ich sehe, dass du dafür bezahlst und zwar teuer. Ich bin nur hergekommen, um dir ins Gesicht zu sagen, dass ich das weiß. Das ist der einzige Grund, warum ich gekommen bin, der einzige Schlussstrich, um den es mir geht.“

„Du Mistkerl, du kannst mich nicht hinters Licht führen. Zieh’ deine Knarre und bring’s hinter dich.“

„Ich habe dir doch gesagt, dass ich nicht bewaffnet bin.“

Mit einem Ruck riss Cable die Schrotflinte von seinen Knien, eine Bewegung, die als Provokation gedacht war. Aber auf halber Strecke zwischen ihnen stockten die Läufe und wanderten nicht weiter nach oben. „Jetzt mach’ schon!“

Da verstand Tarbeaux. In Cable steckte kein Kampfgeist; hatte nie in ihm gesteckt. In ihm war nur Angst. Tarbeaux sagte: „Du versuchst, mich dazu zu bringen, dich umzubringen. Das ist es doch, oder? Du willst, dass ich dich aus deinem Elend erlöse.“

Es war, als hätte er Cable eine Ohrfeige verpasst. Cables Kopf zuckte; taumelnd kam er auf die Beine und schwenkte die Remington, bis ihre beiden Mündungen wie Augen auf Tarbeauxs Gesicht gerichtet waren.

Tarbeaux stand regungslos da. „Du kannst den Gedanken nicht ertragen, noch weitere fünf Jahre krank und mit Schmerzen zu leben, aber du hast nicht den Mumm, dich selbst umzubringen. Du hast gedacht, du könntest mich dazu bringen, es für dich zu tun.“

„Nein. Mach’ jetzt ’was oder ich blase dir deinen verdammten Schädel weg!“

„Nicht mit der Schrotflinte da. Die ist nicht geladen, Reed. Das wissen wir jetzt beide.“

Cable versuchte ein Wettstarren mit Tarbeaux. Er hielt nur ein paar Sekunden durch; sein Blick glitt hinunter zu der nutzlosen Schrotflinte. Dann, als überforderte das Gewicht der Waffe seine zitternden Hände, ließ er sie auf den Boden fallen. Er versetzte ihr einen Fußtritt, der sie scheppernd unter eine der Werkbänke beförderte. 

„Warum?“ flüsterte er mit dünner, tonloser Stimme. „Warum konntest du nicht das tun, was du geschworen hast zu tun? Warum konntest du es nicht zu Ende bringen?“

„Es ist zu Ende“, sagte Tarbeaux.

Und das war es tatsächlich, in jeder Hinsicht. Jetzt war er wirklich frei — frei von Cable und frei von dem letzten Rest seines Hasses, frei von der Vergangenheit. Jetzt konnte er anfangen, wieder zu leben.

Er drehte sich um und ging hinaus in den kalten, erfrischenden Regen.


***


Cable ließ sich wieder auf seinen Hocker fallen. Tarbeauxs letzte Worte schienen wie ein zu Eis gewordenes Echo in dem tristen Raum zu hängen. Es ist zu Ende.

Für Tarbeaux vielleicht schon. Aber nicht für Reed Cable. Für ihn würde es noch lange, lange nicht zu Ende sein.

„Du sollst verdammt sein“, sagte er. Und dann schrie er die Worte. „Du sollst verdammt sein!“

Aber diesmal waren sie nicht für Lee Tarbeaux bestimmt. Sie waren für ihn selbst bestimmt.

Er blieb mit dem Rücken zur Wand dort sitzen.

Und wartete.



© für die deutsche Übersetzung: Reinhard Windeler, 2025

Wir danken dem Autor für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Übersetzung.




Freitag, 9. Mai 2025

STORY: Ungewollte Hilfe (Bill Pronzini)


Ungewollte Hilfe

von Bill Pronzini


(Orig. „›I’ll See to Your Horse‹“, 1972, bzw. „Decision“, 1989; Übers.: Reinhard Windeler)


Seit 1969 war Bill Pronzini, den wir bereits bei anderer Gelegenheit vorgestellt haben, als professioneller Schriftsteller tätig. Eine seiner frühen Short Stories im Western-Genre handelt von einem Mann, der nach einem persönlichen Schicksalsschlag eine Entscheidung treffen muss, als er einer jungen Frau begegnet, die sich in einer schwierigen Lebenslage befindet.
Die ursprüngliche Fassung dieser nur scheinbar simplen Kurzgeschichte erschien 1972 unter dem Titel „›I’ll See to Your Horse‹“ in der Februar-Ausgabe des „Zane Grey Western Magazine“.
Gut zehn Jahre später nahm Pronzini sie zur Grundlage für das erste Kapitel seines Romans „The Gallows Land“, der 1983 veröffentlicht wurde.
Für die von ihm gemeinsam mit Martin H. Greenberg im Rahmen der Reihe „The Best of the West“ herausgegebene Anthologie „The Arizonans“ erstellte Pronzini 1989 eine dritte Version mit dem Titel „Decision“, die auf der Fassung aus dem Roman beruht und hier erstmals in deutscher Sprache erscheint.

_________________________

Der Tag neigte sich der Abenddämmerung zu, der Himmel war von Flammen durchzogen, und die drückende Wüstenhitze ließ etwas nach, als ich auf die kleine, armselige Ranch stieß.

Sie lag eingebettet in einem weiten Ring aus steilen Felsklippen und mit Kakteen bewachsenen Anhöhen. Neben einem Einschnitt, der sich zwischen zwei Felswänden öffnete, kauerten eine Kate aus Holzbalken und Adobeziegeln und zwei verwitterte Nebengebäude. Selbst von dort oben, wo ich auf meinem Stahlgrauen saß, konnte ich sehen, dass, wer auch immer dort lebte, es nicht leicht hatte. Die Hitze hatte den Mais und das Gemüse auf der kultivierten Fläche auf einer Seite ausgetrocknet und verdorren lassen, und die schlichten Gebäude sahen aus, als wären sie am Zerbröckeln, wie die Knochen von Tieren, die vor langer Zeit verendet waren und zu Staub zerfielen.

In dem offenen Corral in der Nähe der Kate gab es weder Pferde noch andere Nutztiere, nirgendwo ein Lebenszeichen. Abgesehen von den Rauchschwaden aus dem Schornstein, die blass und gleichmäßig aufstiegen, wirkte der Ort, als wäre er aufgegeben worden. Es war der Rauch, der mich vor einigen Minuten vom Camino Real del Diablo weggelockt hatte; der Rauch und die Tatsache, dass meine beiden Wasserschläuche nahezu leer waren.

An den meisten Tagen schien es auf dem „Königsweg des Teufels“ eine Menge Verkehr zu geben; er war die einzige gute Straße zwischen Tucson und Yuma und gehörte zum Gila Trail, der Kalifornien mit Zielen im Osten Richtung Texas verband. Im Laufe der vergangenen Woche war ich Pionieren, Frachtführern, Herumtreibern, einer Butterfield-Postkutsche, einer Kompanie Soldaten auf dem Weg nach Port Yuma und Gruppen von Männern begegnet, die auf der Suche nach Arbeit an der Eisenbahnlinie waren, mit deren Bau die Southern Pacific im vorigen Jahr, 1878, vom Colorado River aus ostwärts begonnen hatte. Aber heute, als ich Wasser brauchte und ordentlich dafür bezahlt hätte, war die Straße menschenleer.

Es war meine eigene Schuld, dass ich kaum noch Wasser hatte. Ich hätte die Schläuche auffüllen können, als ich gestern Abend die Stadt Maricopa Wells passiert hatte, aber ich hatte mich entschieden weiterzureiten ohne anzuhalten; es war schon so spät gewesen, dass sogar die Saloons geschlossen waren, und ich dachte, es wäre nicht nötig, zu jener Stunde noch an jemandes Tür zu klopfen. Ich hatte die Absicht, Wasser an der nächsten Kutschenstation der Butterfield-Linie zu kaufen, aber als ich kurz vor Mittag dort ankam, hatte mich der Stationsvorsteher abgewiesen. Seine Hauptquelle wäre versiegt, sagte er, und sie hätten kaum genug für ihren eigenen Bedarf. Er erlaubte mir, fast den ganzen Nachmittag dort zu bleiben und am Corral im Schatten zu warten; als ich um fünf Uhr wieder weiterritt, war noch keine Menschenseele vorbeigekommen. Und auch seitdem hatte ich niemanden gesehen.

Ich hoffte, dass die Leute, die dort unten lebten, genug Wasser hatten, um etwas abzugeben. Wenn nicht, müsste ich zurück zum Devil’s Highway und noch etwas länger warten; weder der Stahlgraue noch ich waren in der Verfassung, um den Weg ohne Wasser fortzusetzen. Ich konnte den Brunnen der Ranch unter einem Bretterdach im staubigen Hof sehen, und ich leckte über meine ausgedörrten Lippen. Nun, ich hatte nichts zu verlieren, wenn ich hinunterritt und fragte.

Mit einem Fersendruck ließ ich das Pferd vorwärtsgehen. Ich saß schlapp im Sattel. Selbst wenn er überwiegend nachts unterwegs ist und obwohl es noch nicht einmal Mitte Mai war, trocknet ein Mann in der Wüste aus und wird müde und ausgelaugt.

Aber die Wüste hatte auch die Eigenschaft, den Verstand abstumpfen zu lassen, und genau deshalb hatte ich mich entschieden, alleine zu reiten, anstatt mit der Kutsche durch diese unwirtliche Gegend von Arizona zu reisen. Mir war nicht nach Gesellschaft oder Gesprächen zumute, denn das hätte nur zu Fragen geführt und Erinnerungen geweckt, mit denen ich mich nicht befassen wollte. Erinnerungen, die begraben werden mussten, so wie ich Emma vor vier Monaten und sechs Tagen in der von der Sonne verbrannten Erde außerhalb von Lordsburg begraben hatte.

Leute, die ich dort kannte, Freunde, sagten, der Schmerz würde nach einer Weile vergehen. Alles, was man tun müsste, war, so gut es ging weiterzuleben, und die Zeit würde einem helfen zu vergessen — vergessen, wie sie eines Abends nach einem Dutzend Stunden harter Arbeit auf unserem eigenen unergiebigen Land zusammengebrochen war, und wie ich gedacht hatte, es sei nur Schüttelfrost, weil sie über Schmerzen in der Brust geklagt hatte, und dieses schreckliche Erlebnis, als ich mit dem Arzt aus der Stadt zurückkam und sie in unserem Bett lag, so still und so schmal, ohne zu atmen, und sie einfach gegangen war. Herzversagen, sagte der Arzt. Achtundzwanzig Jahre alt, in der Blüte ihres Lebens, und ihr gutes Herz hatte sie im Stich gelassen …

Vielleicht hatten sie recht, die Freunde, die mir ihre Ratschläge gegeben hatten. Aber vier Monate und sechs Tage, in denen ich so gut es ging gelebt hatte, hatten die Trauer in mir nicht gelindert. Alles und jeder in Lordsburg hatte mich an Emma erinnert. Also hatte ich vor einer Woche die Farm verkauft, ein paar Kleidungsstücke zum Wechseln, ein paar persönliche Sachen und einen Reserve-Sechsschüsser in meine Satteltaschen gepackt und war nach Westen ins Arizona-Territorium aufgebrochen. Ich hatte keine Vorstellung, wohin ich gehen oder was ich tun würde, wenn die dreihundertachtzig Dollar, die ich in meinem Stiefel trug, aufgebraucht wären. Ich hatte nichts, und ich wollte nichts, außer mich durch die langen Tage und die noch längeren Nächte treiben zu lassen, bis das Leben wieder einen Sinn bekam, falls es das jemals tun würde.

***

Der Pfad, der zur Ranch hinunterführte, war steil und wand sich einige Male hierhin und dorthin, und ich brauchte fast zwanzig Minuten, um zu den Gebäuden zu gelangen. Das grelle Tageslicht hatte sich bis dahin abgeschwächt, und die oberen Enden der Steilwände schienen eine rötlich-violette Farbe angenommen zu haben; der Himmel strahlte jetzt in einem Rotton und nicht mehr messingfarben wie zur Mittagszeit.

Ich ritt langsam auf die Kate zu, meine Hände hielt ich erhoben und gut sichtbar. Siedler, die so abgeschieden in der Wüste lebten, waren wahrscheinlich misstrauisch gegenüber vornübergebeugten, staubbedeckten Fremden. Als ich den Hof vor der Kate erreichte, zog ich die Zügel an. Es war still dort, und ich konnte immer noch an keinem der Gebäude Geräusche oder Bewegungen ausmachen. Hinter dem Gemüsebeet stand ein windschiefer Geräteschuppen mit einem Vorhängeschloss an der Tür; das einzige andere Bauwerk war ein langer Unterstand aus Baumstämmen an der Rückseite des leeren Corrals. Hinter dem Schuppen waren Pulque-Kakteen wie Wachposten in dem heißen, trockenen Erdboden aufgereiht.

Ich schaute zu dem Brunnen und fuhr mir mit der Zunge durch meinen Mund und die Trockenheit in ihm. Dann ließ ich den Stahlgrauen einen halben Schritt näher auf die Kate zugehen und rief: „Hallo, da drinnen!“

Stille.

„Hallo! Jemand zuhause?“

Ein paar Sekunden lang herrschte weiterhin Stille, und ich überlegte abzusteigen. Aber dann sagte eine Frauenstimme von drinnen: „Was wollen Sie hier?“ Es war eine junge Stimme, heiser, aber gedämpft durch etwas, das ich nicht identifizieren konnte. Die Tür war geschlossen, und vor dem Fenster hing eine Gardine aus Mönchstoff, aber ich spürte, dass die Frau an diesem Fenster stand und mich durch die Gardinenfalten beobachtete.

„Kein Grund zur Sorge, Ma’am“, sagte ich. „Ich wollte nur fragen, ob Sie ein wenig Wasser übrig hätten. Ich habe fast keins mehr.“

Sie antwortete nicht. Wieder wurde es still, und ich bekam ein vages Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Es ließ mich unbehaglich im Sattel hin und her rutschen.

„Ma’am?“

„Ich kann Ihnen nicht viel abgeben“, sagte sie schließlich.

„Wieviel Sie auch immer entbehren können, ich werde dafür bezahlen.“

„Sie brauchen nichts zu bezahlen.“

„Das ist sehr freundlich von Ihnen.“

„Sie können absteigen, wenn Sie wollen.“

Ich setzte ein Lächeln auf, saß ab und klopfte mir den feinen pudrigen Staub von meinem Hemd und meinen Jeans. Die Tür öffnete sich einen Spalt breit, aber sie kam nicht heraus.

„Mein Name ist Jennifer Todd“, sagte sie von drinnen. „Meinem Ehemann und mir gehört diese Ranch.“ Sie sprach das Wort „Ehemann“ aus, als wäre es Blasphemie.

„Ich heiße Roy Boone“, sagte ich.

„Mr. Boone.“ Und sie öffnete die Tür und trat in das schwindende Licht hinaus.

Mein Lächeln verschwand; ich starrte sie an, und mein Mund öffnete sich. Sie war nicht älter als zwanzig, Haare von der Farbe von fast reifem Mais, zu lockeren Zöpfen geflochten und auf ihrem Kopf aufgetürmt, die Augen braun, sanft und groß — schöne Augen. Aber nichts davon war der Grund, dass ich so anstarrte, wie ich sie anstarrte. Es waren die blauschwarzen Blutergüsse auf beiden Seiten ihres Gesichts, die tiefe Schnittwunde über ihrer rechten Augenbraue, die gesprenkelten Schwellungen auf ihrer Oberlippe und an ihrer rechten Schläfe.

„Mein Gott!“ sagte ich. „Wer hat Ihnen das angetan, Missus Todd?“

„Mein Ehemann. Heute morgen, kurz bevor er nach Maricopa Wells ist.“

„Aber warum?“

„Er hatte einen Kater“, sagte sie. „Vom Pulque. Mace ist gemein, wenn er nüchtern ist, und noch gemeiner, wenn er betrunken ist; aber wenn er einen schlimmen Kater hat, ist er der Teufel persönlich.“

„Hat er Ihnen sowas schon ’mal angetan?“

„So oft, dass ich es nicht mehr zählen kann.“

„Vielleicht habe ich nicht das Recht, das zu sagen, aber warum verlassen Sie ihn nicht? Missus Todd, ein Mann, der einer Frau so etwas antut, würde nicht zögern, sie umzubringen, wenn er nur wütend genug ist.“

„Ich habe versucht, ihn zu verlassen“, sagte sie. „Dreimal habe ich es versucht. Jedes Mal ist er hinter mir hergekommen und hat mich hierher zurückgebracht und mich halbtot geschlagen. Ein Arbeitstier hat Verstand genug, um zu gehorchen, wenn es oft genug die Peitsche bekommt.“

Ich konnte Wut in mir spüren. Ich dachte wieder an Emma, an unsere Liebe, an die Zärtlichkeit. Manche Männer kannten oder verstanden solche Gefühle nie; manche Männer hatten nur eine Art von Schmerz empfunden und fühlten nie die andere Art, tief in ihrem Inneren. Sie erkannten nie, was sie an einer guten Frau hatten. Oder es kümmerte sie nicht. Solche Männer — aus einem Impuls heraus sprach ich den Rest des Gedankens aus. „So einen Mann sollte man für das erschießen, was er Ihnen angetan hat.“

Etwas flackerte in ihren Augen, und sie sagte: „Wenn ich eine Waffe hätte, Mr. Boone, würde ich genau das tun, glaube ich — ich würde ihn ohne Bedauern erschießen. Aber wir haben nur ein Gewehr und eine Pistole, und Mace trägt sie tagsüber bei sich. Nachts schließt er sie in dem Schuppen da drüben ein.“

Es bereitete mir Unbehagen, eine Frau so beiläufig davon reden zu hören, jemanden zu töten. Ich wandte meinen Blick von ihr ab und fragte mich, ob es Liebe oder ein anderer Grund gewesen war, der sie dazu gebracht hatte, diesen Mace Todd zu heiraten, jemanden, der sie in einem abgelegenen Tal wie eine Gefangene hielt, der sie verprügelte und versuchte, ihren Willen zu brechen. 

Als ich wieder auf Mrs. Todd blickte, lächelte sie auf eine flüchtige, humorlose Art. „Ich weiß nicht, was mit mir los ist, dass ich Ihnen all meine Sorgen erzähle. Jemand, der alleine durch die Wüste reitet, hat seine eigenen Probleme. Kommen Sie ’rein. Ich habe Eintopf auf dem Feuer. Es ist zwar noch früh, aber Sie können mit mir zu Abend essen, wenn Sie möchten.“

„Ma’am, ich —“

„Mace wird erst spät am Abend oder morgen früh nach Hause kommen — falls Sie an ihn denken.“

„Das tue ich nicht, nein. Er macht mir keine Sorgen.“

„Sie sehen müde und hungrig aus“, sagte sie, „und wir bekommen hier draußen nicht oft Besuch. Meistens habe ich niemanden, mit dem ich reden kann. Sie würden mir einen Gefallen tun, wenn Sie das Angebot annehmen würden.“

***

Mir fiel nichts ein, um ihr Angebot abzulehnen. Ich nickte nur und ließ mich von ihr in die Kate bitten.

Sie war voller Schatten und roch nach gewürztem Kanincheneintopf und kochendem Kaffee. Die wenigen Möbelstücke waren von Hand gemacht, aber wer auch immer sie gefertigt hatte — wahrscheinlich ihr Ehemann —, hatte schlechte Arbeit ohne viel Nachdenken geleistet; keines der Stücke sah aus, als würde es noch lange halten. Aber die beiden Räume, die ich sah, waren sauber und aufgeräumt, und man konnte sehen, dass sie mit dem, was ihr zur Verfügung stand, ihr Bestmögliches getan hatte — dass sie versucht hatte, ein Zuhause daraus zu machen.

Um einige der Schatten zu vertreiben, zündete sie eine Petroleumlampe auf dem Tisch an. Dann sagte sie: „In dem Waschbecken neben dem Herd ist Wasser, wenn Sie sich waschen möchten. Ich hole etwas Trinkwasser aus dem Brunnen, und ich versorge Ihr Pferd.“ 

„Die Mühe müssen Sie sich nicht machen …“

„Das ist keine Mühe.“

Sie drehte sich um und ging zur Tür. Ihr Gang war steif und langsam, aber sie hielt sich gerade; ihr Wille war noch nicht gebrochen. Ich sah zu, wie sie hinausging und die Tür hinter sich schloss, und ich dachte: Was für eine Frau! Die meisten Frauen wären inzwischen nur noch halbtote Schatten ihrer selbst, wenn sie das durchgemacht hätten, was sie durchgemacht hatte. 

Ich ging hinüber zum Waschbecken und wusch mich mit einem Stück kräftiger gelber Seife. Mrs. Todd kam zurück, als ich mich abtrocknete. Sie reichte mir eine Kürbisflasche mit Wasser, und während ich daraus trank, nahm sie einen schweren Eisenkessel von dem Spieß, an dem er über der Feuerstelle hing. Sie löffelte Eintopf auf Blechteller, schenkte Kaffee ein und stellte eine Pfanne mit frischem Maisbrot hin.

Wir aßen größtenteils schweigend. Obwohl sie gesagt hatte, dass sie niemanden zum Reden hätte, schien sie keine Unterhaltung führen zu wollen. Aber es gab etwas, was ich sagen musste, und als ich mit dem Essen fertig war, sprach ich es aus.

„Missus Todd, es war mehr als gastfreundlich von Ihnen, Ihre Mahlzeit und Ihr Wasser mit mir zu teilen. Ich kann nicht anders, ich habe das Gefühl, dass es etwas geben muss, was ich für Sie tun kann.“

„Nein, Mr. Boone. Es gibt nichts, was Sie tun können.“

„Na ja, angenommen, ich bleibe einfach hier, bis Ihr Ehemann nach Hause kommt, und unterhalte mich ein wenig mit ihm —“

„Das wäre nicht sehr klug“, sagte sie. „Wenn Mace nach Hause kommt und einen fremden Mann vorfinden würde, würde er sich nicht die Zeit nehmen zu fragen, wer Sie sind oder warum Sie hier sind. Er würde auf Sie losgehen, und danach würde er erst recht auf mich losgehen.“

Was konnte ich tun? Es war ihr Besitz, ihr Leben; es war eine Sache zwischen ihr und ihrem Ehemann. Wenn sie um Hilfe gebeten hätte, wäre es etwas anderes gewesen. Aber sie hatte ihren Standpunkt klar zum Ausdruck gebracht. Ich hatte kein Recht, mich ihr aufzudrängen.

Draußen, im seidigen, mondhellen Purpur des frühen Abends, bedankte ich nochmals bei ihr und versuchte, ihr Geld für das Essen und das Wasser anzubieten. Aber davon wollte sie nichts hören. Sie war zu stolz, um sich für ihre Gastfreundschaft bezahlen zu lassen. Sie bestand darauf, dass ich meine Wasserschläuche aus dem Brunnen auffüllte, bevor ich fortritt, also ließ ich den Holzeimer an der Winde hinunter und tat es.

Als ich langsam vom Hof ​​ritt, drehte ich mich im Sattel um und blickte zurück. Sie stand immer noch dort am Brunnen, schaute mir hinterher und ließ ihre Arme hängen. Im silbrigen Mondlicht wirkte sie einsam und regungslos — als hätte sie im Wüstenboden irgendwie Wurzeln geschlagen.

Eine Stunde später war ich wieder auf dem Camino Real del Diablo, Richtung Westen. Und ein wachsendes Gefühl des Unbehagens hatte sich eingestellt und begleitete mich. Zum ersten Mal seit vier Monaten und sechs Tagen war es ein anderer Mensch als Emma, ​​der meine Gedanken beherrschte; es war Jennifer Todd.

Wie ein Echo in meinem Kopf hörte ich einige der Worte, die sie zu mir gesagt hatte: Wenn ich eine Waffe hätte, Mr. Boone, würde ich genau das tun, glaube ich — ich würde ihn ohne Bedauern erschießen. Aber wir haben nur ein Gewehr und eine Pistole, und Mace trägt sie tagsüber bei sich.

Ich lauschte dem Echo dieser Worte und dachte darüber nach, wie sie mich in der Kate beobachtet hatte, als ich angeritten kam, wie sie plötzlich die Tür geöffnet hatte und nach draußen gekommen war. Warum war sie überhaupt herausgekommen? So übel zugerichtet, wären die meisten Frauen lieber im Schutz der Kate geblieben, als einem Fremden zu erlauben, sie in diesem Zustand zu sehen. Und warum hatte sie so freimütig über ihren Ehemann gesprochen, darüber, was für eine Art von Mann er war?

Dann hörte ich andere Worte, die sie gesagt hatte — Ich hole etwas Trinkwasser aus dem Brunnen, und ich versorge Ihr Pferd —, und ich zog die Zügel scharf an und schwang mich rasch aus dem Sattel. Meine Finger fummelten an den Riemen auf den Satteltaschen, zogen sie auf und tasteten in ihrem Inneren.

Mein Reserverevolver fehlte.

Und dazu noch drei oder vier Patronen.

Ich stand dort im Mondlicht, an die Flanke des Stahlgrauen gelehnt, und wusste genau, welchen Plan sie gefasst hatte, als sie mich heranreiten sah, und was sie plante, wenn ihr Ehemann aus Maricopa Wells nach Hause kam und wieder versuchte, Hand an sie zu legen. Und doch konnte ich über das, was sie getan hatte, keinen Zorn empfinden. Sie war dazu getrieben worden. Sie hatte jedes Recht, sich zu schützen.

Aber wäre es wirklich Selbstverteidigung? Oder wäre es kaltblütiger Mord?

Als ich wieder im Sattel saß, dachte ich: Ich muss sie aufhalten. Doch dann drängte sich Emma wieder in meine Gedanken. Gegangen — zu jung gestorben. So viele Jahre, die nie gelebt wurden, so viele Dinge, die nie getan wurden; das Kind, das wir uns so sehr gewünscht hatten und nie geboren wurde. Es gab nichts, was ich hätte tun können, um sie zu retten. Aber es gab etwas, was ich für eine andere leidgeprüfte junge Frau auf einer anderen armseligen Ranch tun konnte.

Ich traf meine Entscheidung.

Ich ritt weiter nach Westen.


© für die deutsche Übersetzung: Reinhard Windeler, 2025


Wir danken dem Autor für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Übersetzung.


Anmerkung des Übersetzers:
In dem in der Einführung erwähnten Roman „The Gallows Land“ entscheidet sich Roy Boone anders: Er reitet zurück, trifft aber Jennifer Todd nicht mehr an, sondern findet stattdessen einen toten Mann vor. Als er sich an die Fersen der Frau heftet, beginnt eine Odyssee, die ihn selbst in Lebensgefahr bringt.





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