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Samstag, 15. November 2025

WEIRD WESTERN : Unser Sheriff (Sonntag)

Hammerharte Horror Schocker 78: Unser Sheriff

Die Comics von Weissblech haben ihren ganz eigenwilligen Stil. Sie wirken etwas „dahin gerotzt“, ohne Rücksicht auf ästhetische Wirkung. Sie erzählen einfach die Geschichten, die sie erzählen wollen. Eben der Stil alter Undergroundcomics, obwohl sie in jeder guten Bahnhofsbuchhandlung erhältlich ausliegen.

In Ausgabe 78 kommt nun endlich auch der Western zu seinem Recht. Obwohl der Horrorwestern seit er mit Mark Twains „Kannibalismus bei der Bahn“ seine Geburtsstunde erlebte, etliche Fans und Anhänger hat, gibt es in der Vielzahl von Comics, Filmen, Büchern und Heftromanen nur relativ wenige Juwelen dieses Subgenres.

„Unser Sheriff“ hat das Warten auf dieses Heft wirklich lohnenswert gemacht. Schmutzig-staubige Atmosphäre, ein schneller Colt und makabrer Humor dürften Westernfans ebenso wie Horrorfreunde begeistern.

Der alte Sheriff will seinen Posten nicht aufgeben, solange er keinen würdigen Nachfolger bekommt. Er hält so entschlossen an dem Stern fest, dass nicht einmal sein Tod ihn dazu bringt, aufzuhören. Doch die Stadtväter wollen ihn unbedingt loswerden. Und so kommt es zu einer Reihe von Anschlägen auf seine untote Existenz. „Sabata“ trifft „Satan der Rache“ und das in einer Zombiegeschichte. Dazu dann noch ein bitterböses Ende.

Was gibt es noch in diesem Heft? Eine bitterböse Gesellschaftssatire und als Abschluß historischer Horror mit einer ebenfalls satirischen und nachdenklichen Grundstimmung.


© by Michael Sonntag

Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass Paul GREEN 2009 eine Encyclopedia of Weird Westerns (2nd Ed. 2016) veröffentlicht hat. - KJR -

Mittwoch, 12. November 2025

STEAMPUNK trifft WESTERN (Sonntag)

GOLLY & MOON: Nebel über der Oakland Bay


Ein genialer Erfinder, der eine neue Energiequelle entdeckt hat, wird entführt. Die Entführer: Agenten des russischen Zaren. Es beginnt eine Verfolgungsjagd, die mit Zeppelinen, Pferden, der Eisenbahn und auf dem Schiff durch das ganze Land führt.

Hier liegt der erste Band der Comicumsetzung der Anthologie „Dampfmaschinen und rauchende Colts“ von Stefan Czernohuby und Wolfgang Schroeder (Hrsg) vor. Ein zweiter ist angekündigt, ist aber noch nicht erschienen.

Doch nach dem Genuß des ersten Heftes hofft man wirklich darauf. Der deutsche Westerncomic hat es schwer, ernst genommen zu werden. Mit „Bessy“ oder „Silberpfeil“ (die auf ihre Weise sehr gut sind und sicher auch angenehme Erinnerungen wecken) werden vor allem junge Leser angesprochen. Dieser Band beweist, dass es auch deutsche Westerncomics für Erwachsene gibt, die Aufmerksamkeit verdienen.

Retro-futuristsiche Science Fiction, vor allem Steampunk, hat seit einigen Jahren viele Anhänger. Sehr oft wird dieses Genre mit der viktorianischen Zeit in Verbindung gebracht. Natürlich ist das auch die Zeit, in der die überwiegende Masse von Western spielt. Was also liegt näher, als den Western mit Steampunk zu verbinden und es ist merkwürdig, dass es nicht mehr davon gibt. Hier ist ein guter Startschuß dafür geglückt.

Erschienen im Verlag Torsten Low


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© by Michael Sonntag

Dienstag, 17. Juni 2025

COMIC: Desperadoes (Sonntag)

DESPERADOES 
Ein Western Comic 

DESPERADOES 1 – 4

Aus Band 1 der französischen Ausgabe
Der Pinkerton-Detektiv Race Kennedy verfolgt einen Mörder, der indianische Frauen, die weisse Männer geheiratet haben und ihre Halbblutkinder tötet. Er verdächtigt den Gesetzlosen Gideon Brood und seine Freunde, die sich immer dort aufhalten, wo ein Mord geschah. Doch schnell stellt er fest, dass sie nicht die Mörder sind, sondern ihn selbst jagen, Doch als die Frau eines Sheriffs durch einen Unfall getötet wird, wird Brood von einem Aufgebot verfolgt. Kennedy schliesst sich mit an. Ein Politiker will die Indianer provozieren und ruft Kennedy zurück. Doch er weigert sich, aufzugeben. Und es zeigt sich, dass der Mörder durch seine Taten übernatürliche Kräfte erlangt.

Knallharte Westernaction, düstere Horror-Fantasy, eine Verschwörung, eine kompromisslose Handlung und großartige Bilder. Dazu ein Gegner, der Hass und Mitleid gleichermassen auslöst und absolut furchteinflössend ist. Wirklich alles, was sowohl Westernfreunde als auch Horror-/Fantasy-Liebhaber und Comicfans gleichermaßen begeistert.


DESPERADOES 5

Auf Brood und seine Freunde ist ein Kopfgeld ausgesetzt. Sie ziehen sich in ein abgelegenes Städtchen zurück, wo Gideon alte Freunde hat. Durch einen unglücklichen Zufall wird einer davon von einem Zug erfasst und liegt im Sterben. Sein letzter Wunsch ist, seine Frau noch einmal zu sehen und Gideon will sie holen. Eigentlich kein grosses Problem. Doch plötzlich sieht er sich in die Vergangenheit versetzt und es scheint, sein alter Freund würde seine Erinnerungen zu realen, aktuellen Ereignissen machen. In einem sich wiederholendem Bürgerkrieg müssen die Desperadoes nun die Frau des Verunglückten suchen.

Ein guter Comic ist für mich, wenn am Ende die Helden zwar siegen, man als Leser aber nicht nur zufrieden ist, sondern selbst das Gefühl hat, einen schweren Weg bestritten zu haben und sich selbst erschöpft fühlt und glaubt, etwas von sich selbst auf dem Weg verloren zu haben. Und genau das erfüllt diese Geschichte. Tragisch, hart, blutig. Westerncomic in seiner bösesten und besten Form.

Auf der Buchmesse fielen mir die Ausgaben 2 und 3 in die Hände. Ich kannte die Serie nicht, fand aber Gefallen daran. Und wie durch ein Wunder las der grossartige Autor Jeff Mariotte meinen Post und schenkte mir die fehlenden Ausgaben.  Auf diesem Weg noch einmal meinen besten Dank. Ein wirklicher Schatz, den ich da bekommen habe.

Michael Ausführungen beziehen sich auf die englischsprachige Ausgabe der DESPERADOES. Es gibt zudem eine Übersetzung ins Französische, sowie weitere Ausgaben und teils auch Sammelbände in englischer Sprache (- KJR -)


DESPERADOES
Image Verlag, 1997-1998
Autor: Jeff Mariotte
Zeichner: John Cassaday
Coloration: Nick Bell

Michael Sonntag




Dienstag, 6. Mai 2025

Der andere Western: Im Tal von Achor

Der andere Western: 
Im Tal von Achor

Die Grenzen des Genres Western sind mitunter fließend. Und auch da gibt es viele Filme, die es verdienen, genauer betrachtet zu werden.


Mit dem Abschluss der Winnetou-Filmreihe und dem Ende der DeFa-Studios nach dem Zusammenbruch der DDR wurde es um den Kraut-Western still. Doch ausgerechnet der Untergrundfilm haucht diesem Genre nun wieder neues Leben ein.

Ein Priester auf Rachefeldzug. Ein Farmer, der die Schuld leugnet. Und eine Frau, die nicht weiß, was richtig und falsch ist.

Der Film beginnt sehr langsam und hat einige Längen. Manchem Zuschauer gefällt es, wenn sich eine Geschichte Zeit lässt, ein anderer mag es langweilig finden. Doch die Bilder lohnen es, sich diese Zeit zu gönnen.
Es werden die Themen aufgegriffen, die den Western schon immer ausmachten. Die Frage nach Gerechtigkeit oder Rache, nach Schuld, ein sich aufbauendes Psychoduell, bevor es am Ende zu einer Auseinandersetzung mit Waffen kommt... Es werden alle Klischees bedient. Wobei das Wort „Klischee“ hier nicht negativ besetzt ist. Es ist eben das, was der Westernfan liebt und hier bekommt.
Bis auf.... Gerade, dass der Zuschauer hier ein anderes Ende geboten bekommt, als er erwartet, macht den Film sehenswert. Man bleibt ohne Antworten zurück, mit Fragen und Unsicherheit.

Wieder einmal erweist sich, dass nicht die perfekte Filmtechnik oder große Namen in den Hauptrollen, sondern die Liebe zur Geschichte und zum Genre einen guten Film ausmachen.

IM TAL VON ACHOR
Deutschland 2022

Regie: Günther Brandl
Drehbuch: Günther Brandl
Darsteller: Günther Brandl (Reverend John Tanner), Melody Bayer (Rose McIntyre), Timur Güler (Eli McIntyre)


Michael Sonntag

Dienstag, 22. April 2025

Der andere Western: Sukiyaki Western Django (Michael Sonntag)

Der andere Western: 
Sukiyaki Western Django

Die Grenzen des Genres Western sind mitunter fließend. Und auch da gibt es viele Filme, die es verdienen, genauer betrachtet zu werden.


Ein Fremder kommt in eine Goldgräberstadt, die von zwei rivalisierenden Banden terrorisiert wird. Im Alleingang tritt er gegen sie an, indem er sie gegeneinander ausspielt.

Der Film greift die Handlung des Westerns „Für eine Handvoll Dollar“,  er ursprünglich auf dem japanischen Film „Yojimbo, der Leibwächter“ beruht, erneut auf und besetzt ihn mit japanischen Darstellern. (Ok, wenn man es richtig durchdenkt bekommt man einen Knoten im Hirn)

Overacted, wie im japanischen Film üblich, comichaft-knallbunt, extrem hart und blutig, düster, makaber, dramatisch...
Zu bizarr, um wirklich ernst genommen zu werden, zu gut für einen SchleWaZ, Mischung aus Western und Eastern ohne Kampfsport... Dieser Film lässt sich nicht einordnen.
Für puristische Fans des klassischen Westerns ist dieser Film auf jeden Fall nicht zu empfehlen. Wenn man aber das Außergewöhnliche, Bizarre und Fremdartige mag, sollte man ihn sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Können Japaner überhaupt einen Western drehen? - Klar, warum denn nicht? Ungewohnt, seltsam, aber doch sehenswert und unterhaltsam.

Schon der Titel ist eine Anspielung auf die Tradition von Western, die nicht aus den USA kommen. Fast jeder kennt den Begriff „Spaghetti Western“ für den italienischen Film oder den „Kraut Western“ aus Deutschland bzw. der DDR. So kommt nun auch der „Sukiyaki Western“, nach einem japanischem Eintopfgericht.

Es gibt einen Gastauftritt von Quentin Tarantino, der erst um einiges später selbst einen Film mit dem oft benutztem Namen „Django“ drehte.


SUKIYAKI WESTERN DJANGO
Sukiyaki Uesotan Jango
Japan 2007

Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Masaru Nakamura/Takashi Miike
Darsteller: Quentin Tarantino (Piringo), Hideaki Ito (Der Namenlose), Koichi Sato (Kiyomori), Yusuke Iseya (Yoshitsune)

Michael Sonntag 



















Montag, 24. März 2025

DER ANDERE WESTERN: Berühre nicht die weisse Frau (Sonntag)

Der andere Western: 
Berühre nicht die weisse Frau

Die Grenzen des Genres Western sind mitunter fließend. Und auch da gibt es viele Filme, die es verdienen, genauer betrachtet zu werden.

Die amerikanische Regierung will die Indianer mit Gewalt umsiedeln. Dafür beauftragen sie den selbstverliebten General Custer. Der ist mehr beschäftigt, sich in der Bewunderung seiner Anhänger zu suhlen. Und dann taucht auch noch der medienwirksame Buffalo Bill auf und zieht die Aufmerksamkeit auf sich.

Diese Groteske verlegt die historischen Ereignisse in eine Baugrube des Paris von 1973. Damit vergleicht der Regisseur die Vertreibung der Indianer mit dem Vietnamkrieg, mit dem Umgang mit Kriegsflüchtlingen, mit der Hausbesetzerszene dieser Zeit. Gleichzeitig rechnet er mit dem Heldenmythos der damaligen Western ab, indem er die menschenverachtenden Methoden und die Mentalität der Behörden aufarbeitet.


Dieser Film ist sicher nicht für einen Abend mit leichter Unterhaltung geeignet. Ob man sich darauf einlassen möchte oder nicht (und das muss man, um ihn genießen zu können), man muss ihm den Mut, neue Wege zu beschreiten, zugestehen.
Auch, wenn er mitunter als „Komödie“ bezeichnet wird, bleibt einem das Lachen bei all den ernsten Themen doch im Halse stecken und es bleibt ein Gefühl von Beklemmung zurück.



BERÜHRE NICHT DIE WEISSE FRAU
Touche pas a la femme blanche
Frankreich 1974

Regie: Marco Ferreri
Drehbuch: Marco Ferreri/Rafael Azcona
Darsteller: Marcello Mastroianni (General George Armstrong Custer), Catherine Deneuve (Marie-Helene de Boismonfrais), Michel Piccoli (Buffalo Bill), Philippe Noiret (General Terry), Alain Cuny (Sitting Bull), Serge Reggiani (Crazy Horse)














(Michael Sonntag)













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