NICHT ALLES VON ALLEN
Ein Beitrag von Reinhard Windeler
Band 2436, „Der Schwur des Texaners“ von Clay Fisher (1976), als Beispiel dafür, wie amerikanische Western-Romane für den Heyne-Verlag bearbeitet wurden, damit die deutschsprachigen Taschenbücher die vorgegebene Seitenzahl nicht überschritten
Es ist ein mittlerweile weithin bekanntes Ärgernis, dass die Western-Romane, die in der ansonsten verdienstvollen Reihe des Münchener Wilhelm Heyne Verlags in deutscher Sprache erschienen, häufig mehr oder weniger stark gekürzt waren. Um den günstigen Preis, der Mitte der 1970er Jahre 2 Mark 80 betrug, niedrig halten zu können, war die Anzahl der Seiten der Taschenbücher auf 128 begrenzt, was sich aus acht Druckbögen zu je sechzehn Seiten ergab (1). Auf jede Seite passten 41 Schriftzeilen, deren Buchstaben noch von lesbarer Größe waren. Auf Leerzeilen wurde weitgehend verzichtet, soweit es nicht den Platz über und unter Kapitelüberschriften bzw. -nummern betraf. Mit diesen Vorgaben mussten sich die Übersetzer abfinden.
Der 1974 in den USA veröffentlichte Roman „Apache Ransom“, den der hochdekorierte Autor Henry Wilson Allen (1912 – 1991) unter seinem Pseudonym Clay Fisher schrieb, enthält 36 Kapitel, denen zudem ein Prolog vor- und ein Epilog hintangestellt ist. Dem Verfasser dieses Beitrags liegt kein gedrucktes Exemplar, sondern nur der Text eines E-Books vor, sodass an dieser Stelle keine genaue Angabe dazu gemacht werden kann, wieviele Seiten das Original aufweist. Im Internet werden für verschiedene Ausgaben 160 sowie 208 Seiten genannt.
Demgegenüber kommt das Heyne-Taschenbuch # 2436 mit dem Titel „Der Schwur des Texaners“, in dem der Text der deutschsprachigen Fassung auf Seite 5 beginnt, mit 124 Seiten und 22 Kapiteln aus. Es gibt weder einen Prolog noch einen Epilog.
An dieser Stelle ein vorsorglicher Hinweis: Der Vergleich der beiden Versionen bringt es mit sich, dass die Handlung des Romans in groben Zügen, streckenweise auch etwas kleinteiliger, nacherzählt wird. Wer den Roman nicht kennt und sich das Leseerlebnis nicht durch diesen Beitrag verderben lassen möchte, sollte sich zunächst eine der beiden Versionen besorgen (2.
Die Übersetzung schuf mit Alfred Dunkel ein ausgewiesener Fachmann, der für eine Vielzahl von deutschen Ausgaben amerikanischer Western-Romane verantwortlich zeichnete, die sich in den meisten Fällen sehr flüssig und eingängig lesen lassen.
Das erste Kapitel von „Der Schwur des Texaners“ beginnt bei ihm folgendermaßen:
Dieser Augenblick ist in mein Gedächtnis eingegraben. Es war ein herrlicher Morgen. Strahlender Sonnenschein. Noch war nichts vom üblichen Lärm in der Stadt Casas Grandes zu hören. Vögel zwitscherten am Himmel oder im Geäst der Bäume meines Gartens. In der Ortschaft krähten die Hähne; jeder auf seinem eigenen Misthaufen.
Hier zeigt sich bereits, dass sich Dunkel nicht scheute, den Originaltext für seine Bedürfnisse zu straffen und umzustellen, denn jener lautet an dieser Stelle so:
The final morning was of a kind to make the tasseled quail burst with song. The sun was everywhere within and without the mean hovels of the waking town. The people were in a glad spirit such as the Lord had fashioned the springtime to assure. Cactus wren, twit sparrow, ocotillo bird, and chaparral finch answered back the quail. All were likewise challenged by the reedy roosters of the village, each from his separate small mountain of cow chip or burro dung beside his master’s dusty palace.Den einprägsamen ersten Satz der deutschen Version findet man im Original erst ein paar Zeilen später, wo es heißt:
That moment is engraved in my spirit.
Aber Dunkel lässt nicht nur den Prolog (und zuvor die Widmung: „To Eve Ball, and to Ysun’s people — the Apache of all bands“) weg, sondern überspringt auch flugs den Beginn des ersten Kapitels, vermutlich, weil dieser Beginn unmittelbar an den Inhalt des Prologs anknüpft. Dieser Prolog besteht immerhin aus rund 530 Wörtern. Weitere rund 520 Wörter kommen im ersten Kapitel des amerikanischen Textes noch hinzu, bis man zu der Stelle gelangt, die Dunkel für den Beginn des deutschen Textes aussuchte. Das sind somit schon einmal mehr als eintausend Wörter, die in der Heyne-Ausgabe fehlen.
Dem deutschen Leser entgeht damit, dass Allen – ich werde den Autor im Folgenden bei seinem bürgerlichen Namen nennen – seiner Geschichte einen pseudohistorischen Anstrich verpasste, indem er nämlich im Prolog behauptet, im Oktober 1933 seien Aufzeichnungen eines Franziskanermönchs namens Panfilo Alvar Nunez (3) gefunden worden, die aus den Ruinen einer alten Kapelle ganz im Westen des mexikanischen Bundesstaats Chihuahua stammten. Diese seien die Grundlage für seinen Roman, dessen Ich-Erzähler daher Nunez ist. Der deutsche Leser erfährt seinen Namen hingegen erst auf Seite 25.
Der angebliche Fund beginnt gleich einmal mit einer Ansage: „Accept what I say, or deny it. There is no one else remaining alive to tell what happened.“ (Glaubt mir oder lasst es bleiben. Es ist sonst niemand mehr am Leben, der von den Geschehnissen berichten könnte.) Angesichts der ständigen Revolutionen in Mexiko befürchtet Nunez, dass seine Notizen die Zeiten nicht überstehen und niemals gelesen werden. Er möchte aber das Andenken eines großgewachsenen Mannes aus Texas vor dem Vergessen bewahren und ist zugleich besorgt, dass er selbst eines Tages der Vergeltung des Kriegshäuptlings der Nednhi-Apachen namens Juh zum Opfer fallen wird.
Am Anfang des Romans beschreibt Nunez im Einzelnen Lage und Geschichte der Parroquia de la Virgen de Guadalupe in Casas Grandes, seiner zum Orden des Heiligen Franz von Assisi gehörenden Pfarrei, deren neunzehnter Vorsteher er sei. Aber nach Casas Grandes seien nicht nur Kinder des einen vergebenden Gottes gekommen, und mit diesem Satz, der in der Heyne-Version fehlt, leitet er über zum eigentlichen Beginn der Handlung, als nämlich der bereits erwähnte Juh mit achtzehn Kriegern und einem achtjährigen weißen Jungen in seiner Mission auftaucht.
Ohne große Auslassungen schildert Dunkel, wie gleich darauf sieben texanische Reiter und eine Abteilung mexikanischer Soldaten erscheinen. Nunez öffnet den Texanern das Tor zum Missionshof und muss fassungslos erleben, wie die arglosen Männer dort von den Apachen niedergemetzelt werden, die ihnen anschließend ihre Waffen samt Munition abnehmen. Einer der Krieger ist eine Frau namens Huera, die den gefangenen Jungen in Nunez’ Obhut übergibt, während die Apachen mit den soeben erbeuteten Winchester-Gewehren das Eintreffen der federales erwarten.
Die anschließende Passage zeigt beispielhaft Allens erzählerisches Geschick (S. 12 f. der Heyne-Ausgabe):
Erstaunlich ist, dass Dunkel an dieser Stelle reichlich Zeilen verschwendet. Während es im Original nur zwei Absätze gibt, gönnt er der Heyne-Ausgabe deren neun. Wäre er dem Original gefolgt, wäre sie mit neun statt vierzehn Zeilen ausgekommen. Er verschenkt also viel Platz, den er bei anderen Gelegenheiten gut hätte gebrauchen können, um Dinge nicht weglassen zu müssen.
Der Junge erklärt Nunez, dass er den noch lebenden Texaner kenne, und gemeinsam verstecken sie ihn in einer ehemaligen Zisterne der Mission, ehe sie in deren Hof zurückkehren. Nachdem die Apachen auch die mexikanischen Soldaten vor den Toren der Mission getötet oder verjagt haben, erklärt Juh Nunez, dass es sich bei dem Jungen um den entführten Sohn des Gouverneurs von Texas handele, und übergibt er ihm einen Umschlag mit der Aufforderung, diesen zum Vater des Kindes zu bringen, denn darin befänden sich die Bedingungen für die Freilassung. Anschließend verlassen die Apachen zusammen mit dem Jungen die Mission.
In diesem Bereich fallen Dunkels Kürzungen eher knapp aus. An ein paar Stellen lässt er zwar auch ganze Absätze unter den Tisch fallen, was aber kaum ins Gewicht fällt. Bedauerlich ist allerdings, dass er auch Passagen wie die folgende unübersetzt lässt, die etwas über die Denkweise der Apachen verrät, als sie die getöteten Soldaten plündern:
No sound came from these robbers of the dead, save for where a maimed horse yet breathed, struggled to rise, or kicked convulsively. These the Apaches killed by slitting the jugular. Ammunition was far too precious to waste on horses. But they loved horses and, cruel as they were to them in life, they said prayer words aloud for each one they released from pain.
Der Texaner, der durch einen Streifschuss nur vorübergehend außer Gefecht gesetzt war, berichtet, er heiße Ben Allison – Leser der Romane des Autors erkennen ihn natürlich wieder – und habe den Jungen in El Paso kennengelernt, wo er einen Zuchthengst habe erwerben wollen, was aber nicht geklappt habe. Als er erfahren habe, dass die kranke Mutter des Jungen eine Jugendfreundin seiner seit Jahren verschollenen Schwester sei, habe er diese im Lazarett des nahegelegenen Armeestützpunktes Fort Bliss besucht. Dort habe sie ihm gesagt, sie liege im Sterben, und ihn gebeten, ihren Sohn, der zusammen mit seiner Gouvernante zu Besuch bei ihr gewesen sei, bei der Rückreise nach San Angelo zu begleiten. Das habe er zugesagt, dann aber die Abfahrt der Kutsche am nächsten Morgen verpasst. Daraufhin habe er den Hengst, den zu kaufen ihm nicht gelungen war, entwendet, um der Kutsche zu folgen. Er sei auf eine Abteilung Texas Rangers gestoßen, die von befreundeten Lipan-Apachen erfahren hatten, dass Juh in betrunkenem Zustand damit geprahlt hatte, dass er den Sohn des Gouverneurs zu entführen plane. Als sie gemeinsam die Kutsche einholten, hatte der Überfall bereits stattgefunden. Bei der weiteren Verfolgung seien sie auf mexikanischem Gebiet von einheimischer Kavallerie angegriffen worden und zur Mission in Casas Grandes geflüchtet.
Dunkel lässt eine ganze Reihe von
Details aus, mit denen Allen die Erzählung ausschmückt, was aber
durchaus zu verschmerzen ist. An dieser Stelle, an der im Original
das fünfte Kapitel endet und wir uns in der Heyne-Ausgabe auf Seite
24 mitten im vierten Kapitel befinden, kommt es zu dem für das
deutsche Taschenbuch titelgebenden Schwur des Texaners.
Der große Tejano aus San Saban holte tief Luft und sagte leise: „Gott sei euch Texanern gnädig,. die ihr jetzt tot dort oben liegt. Und den mexikanischen Soldaten ebenfalls.“ Dann nahm seine Stimme einen stahlharten Klang an. „Und Jesus Christus möge mir die Kraft verleihen, alle Apachen, die heute hier waren, bis zum letzten Mann töten zu können, Padre!“ |
Verwunderlich ist, dass Dunkel durchgängig schreibt, Allison stamme aus San Saban, obwohl der Ort natürlich San Saba heißt und dort, wo im Original tatsächlich ein N angehängt ist, dies die Bezeichnung für einen Bewohner des Ortes ist. Andererseits ist auch Allen nicht vor Fehlern gefeit, denn bei ihm ist wiederholt von der mexikanischen „Sierra Madre“ des Nordens die Rede, obwohl es sich tatsächlich um die „Sierra de la Madera“ im Grenzgebiet von Sonora und Chihuahua handelt.
Da sich mittlerweile Bewohner des Dorfes auch im Hof der Mission eingefunden haben und Nunez den Zugang zur ehemaligen Zisterne nicht preisgeben will, führt er Allison durch einen alten Tunnel, dessen Ausgang sich im Beichtstuhl der Kirche befindet, und verarztet ihn. Vorsichtig öffnen die beiden den Umschlag, den Nunez von Juh erhalten hat, und lesen den Brief, in dem Gouverneur Buckles aufgefordert wird, für das Leben seines Sohnes alle Handfeuerwaffen samt Munition aus dem Arsenal von Fort Bliss auszuliefern. Allison überzeugt Nunez, diesen Brief nicht zum Gouverneur zu bringen, sondern den Apachen zu folgen, um zu versuchen, den Jungen zu befreien. Als Reittiere sollen zwei Mulis dienen, bei denen es sich um Zwillingsschwestern handelt, von denen eine Nunez und die andere dem alcalde von Casas Grandes, Bustamante (4), gehört.
Auch hier sind Dunkels Kürzungen eher moderat. Allerdings lässt er die Passage, in der Nunez Allison berichtet, was aus seinem gestohlenen Hengst geworden ist, unübersetzt:
I had seen his big American entero, studhorse, sail high over mission wall at outbreak of the rifle firing to disappear into the outer battle smoke. The brute had gone with saddle, bridle, and booted Texas rifle, and I now told its owner as much.
Kapitel 7 des Originals und Kapitel 4 der deutschen Ausgabe (Seite 30) enden wie folgt:
Then, a welling of human adventure rising in me as nothing else I had ever experienced of the flesh, “Let us go and see Bustamante —!” | Und dann quoll auch in mir so etwas wie Abenteuerlust auf. „Kommen Sie! Gehen wir sofort zu Bustamente!“ |
| We lay in the rocks above Old Campground, I, at least, grateful to Providence that we had reached the vantage undetected. Below us was the Laguna de Luz, the legendary Pool of Light, in the Rio Casas Grandes, midway of the mountain bench. Owing to some peculiarity of light sand bottom and water clear as the air about it, the enchanted lakelet gave forth a luminescent glow, even in the approaching darkness. Its beach, inland of the Nednhi drop-off, was smoothly sanded, perfect for the tribal bathing that now went forward in the quickly made Apache camp.+ | Wir lagen zwischen den Felsen über Old Campground. Ich jedenfalls war der Vorsehung dankbar, daß wir unentdeckt bis hierher gelangt waren. Unter uns lag Laguna de Luz, der legendäre Pool of Light im Rio Casas Grandes. Selbst jetzt in der hereinbrechenden Dunkelheit hatte das Wasser einen schimmernden Glanz, dem es den Namen verdankte. Der diesseitige Sandstrand stellte einen idealen Badeplatz für die Apachen dar. |
Viele Leser des Heyne-Taschenbuchs werden sich – ebenso wie seinerzeit der Verfasser dieser Zeilen – gewundert haben, wie Nunez und Allison dorthin gelangt sind. Dass massiv gekürzt wurde, ist nicht zu übersehen. Erst im Vergleich mit dem Original wird deutlich, dass in der Heyne-Ausgabe drei Kapitel komplett übersprungen werden. Zwar macht Allen an anderer Stelle einen ähnlichen, wenn auch nicht so ausgreifenden Zeitsprung nach vorne, schildert dann aber rückblickend, was inzwischen geschehen ist. Eine Rückblende sucht man in der Heyne-Version an dieser Stelle jedoch vergebens.
Der deutsche Leser erfuhr daher nicht, dass Allison nicht etwa zu Bustamante gegangen ist, um wegen des zweiten Mulis mit ihm zu verhandeln, sondern stattdessen heimlich, still und leise beide Mulis hat mitgehen lassen und bei dieser Gelegenheit auch gleich passendes Zubehör, Kleidung, Proviant, zwei Schlachtermesser und einen alten Walker Colt gestohlen hat. Als letzterer im weiteren Verlauf der Handlung unversehens auftaucht, wird im Heyne-Band mit keinem Wort erklärt, wie Allison in den Besitz einer Schusswaffe gelangt ist.
Sodann wird im Original der beschwerliche Weg auf den beiden Mulis beschrieben, wobei man auch erfährt, wie sie heißen und von wie unterschiedlicher Körpergröße ihre beiden Reiter sind:
The Texan was so tall he continually put this or the other boot sole to the ground to assist his mount, Jugada, Mean Trick, in the climbing. This could not fail of embarrassing the poor thing, but she did not falter. My own animal, Lata, Tin Can, bearing a small man of God who towered four feet and eleven inches, the blessing of a humpen spine from birth, suffered no such humbling.
Mit vier Fuß und elf Zoll misst der bucklige Nunez gerade einmal einen Meter fünfzig, was dem deutschen Leser verborgen bleibt.
Als sich die beiden dem Old Campground der Chiricahua nähern, wohin sie Juhs Truppe gefolgt sind, erläutert Allen, was es mit diesem Lagerplatz auf sich hat (wobei man sich durchaus wundern kann, weshalb Dunkel für diese Bezeichnung keine deutsche Entsprechung verwendet):
It was here, Juh had once told me, that the four families met historically. Old Campground was the intersecting place of two great Apache trails. The first, called South Way, went down five days’ travel below Casas Grandes, to Pagotzin-kay, the so-called Apache stronghold of the Bedonkohe, Warm Springs, and True Chiricahua bands. The second trail, West Way, trended west by north two days’ journey across the high divide of the Sierra Madre to Cañon Avariento, the secret entering cleft to the Nednhi band’s retreat. This retreat, called by us Juh’s Stronghold, was continually confused by both Mexican and American “authorities,” with Pagotzin-kay.
Mit Allisons Entschluss, nicht erst im
Verlauf des weiteren Wegs zu Juhs Bergfestung, sondern noch in der
Nacht zu versuchen, den Jungen zu befreien, enden die aus fast
dreitausend Wörtern bestehenden Teile des Originaltextes, die
Dunkels dickem Rotstift zum Opfer gefallen sind (5).
Der Text auf der Rückseite der Heyne-Ausgabe ist fehlerhaft und wird dem Inhalt des Romans kaum gerecht. |
Bevor Allison jedoch etwas unternehmen kann, fallen Schüsse, und er und Nunez müssen aus ihrem Versteck mitansehen, wie Skalpjäger unter Führung des berüchtigten Santiago Kifer mehrere der badenden Apachen massakrieren, ehe Juh und einige seiner Krieger mit knapper Not entkommen. Huera und der Junge, für den sich mittlerweile die Bezeichnung „Little Buck“ eingebürgert hat, werden gefangengenommen. Als die Kriegerin von Kifer und seinen Leuten vergewaltigt wird, stürzen sich Allison und Nunez auf die Skalpjäger, werden aber überwältigt. Bei ihrem Aufbruch lassen die Skalpjäger zwei ihrer Kumpane, die Allison schwer verletzt hat, zurück, und Kifer weist einen seiner Männer namens Ketchum an, den bewusstlosen Gegnern – Huera, Allison und Nunez – die Kehle durchzuschneiden. Als der Bandit sich zuvor abermals an Huera vergehen will, ersticht ihn der mittlerweile zur Besinnung gekommene Nunez mit dem unter seiner Kutte verborgenen Messer, das Allison Bustamante entwendet und ihm gegeben hatte; immerhin erklärt Dunkel die Herkunft des Messers in einem Halbsatz.
Die Passagen, in denen Allen die Verletzungen, die verschiedene Beteiligte erlitten haben, in teilweise drastischen Worten beschreibt, werden von Dunkel entschärft oder ganz weggelassen. Auch dass Kifer zwei seiner Männer, die für ihn aufgrund ihrer Verletzungen nutzlos geworden sind, eigenhändig tötet, findet in der Heyne-Version nicht statt.
Für ein paar Schwächen in der Logik von Kifers Verhalten ist allerdings nicht Dunkel verantwortlich. Weshalb lässt Kifer Allison zunächst noch am Leben, obwohl dieser unmittelbar vorher aus nächster Nähe – mit dem besagten Walker Colt – auf ihn geschossen und ihn zwar nicht getötet, aber doch am Kopf verletzt hat? Weshalb verbietet er Ketchum aus Angst vor der Rache der Apachen, Huera zu skalpieren, wenn Ketchum sie doch töten soll? Weshalb vertraut er darauf, dass die Bewusstlosigkeit seiner drei verletzten, aber nicht gefesselten Gegner so lange andauern wird, dass Ketchum sie risikolos töten kann? Weshalb wartet er nicht die paar Minuten, die Ketchum dafür benötigen würde, ab, bevor er aufbricht? Und weshalb reitet er mit seinen Männern einfach so Richtung Casas Grandes davon, obwohl er auf seinen Zuruf keine Antwort mehr von Ketchum erhält?
Nachdem Nunez die übrigen Verletzten – Allison, Huera und die beiden Skalpjäger – einigermaßen verarztet hat und insbesondere Allison – was im Original erheblich ausführlicher als in der Heyne-Version beschrieben wird – sich um die stark blutende und unter Schock stehende Kriegerin gekümmert hat, tauchen die entkommenen Apachen unter Juhs Führung und mit dem gefesselten Little Buck wieder auf. Wie der Junge wieder in die Obhut der Apachen gelangt ist, wird auch im Original nicht erklärt. Da er auf einem nicht den Apachen gehörenden Pferd sitzt, kann der Leser nur vermuten, dass sie es und ihn den Skalpjägern abgejagt haben.
Nunez kann Juh davon überzeugen, dass
Allison Huera das Leben gerettet hat und kein Texas Ranger ist. Die
beiden Skalpjäger haben jedoch keine Gnade von den Apachen zu
erwarten (Seite 46 der Heyne-Ausgabe).
“What is it?”
I asked the silent Texan. |
„Was ist denn?“
fragte ich den schweigsamen Texaner.
|
Mit der Bewachung von Nunez und Allison, den Juh dafür verantwortlich gemacht hat, dass Huera seine Bergfestung lebend erreicht, ist Juhs sechzehnjähriger Neffe Kaytennae beauftragt, mit dem sich die beiden gut unterhalten können, weil Nunez ihn einige Jahre zuvor von einer schweren Krankheit geheilt und ihn anschließend in der Mission unterrichtet hat.
Allens Beschreibungen der Reise und die währenddessen geführten Gespräche kürzt Dunkel nicht unerheblich, allerdings ohne dabei für den weiteren Verlauf wesentliche Informationen zu unterschlagen. Dadurch ist die deutsche Version aber erheblich weniger „farbig“ als das Original.
Ein Beispiel dafür, wie Dunkel durch
das Ausdünnen des amerikanischen Textes Platz spart, liefern Allens
Ausführungen über die Verwandtschaftsverhältnisse bei den Apachen
auf S. 49 der Heyne-Ausgabe. Aus 272 englischen Wörtern werden 76
deutsche. Die ausgelassenen Teile des Originals sind hier in
Fettschrift hervorgehoben.
Durch einen schmalen Spalt in einer Felswand gelangt die Gruppe in ein riesiges Amphitheater aus Felsgestein, aus dem sich eine waldbestandene Mesa erhebt, auf der sich Juhs Bergfestung befindet.
Während man unten darauf wartet, dass von oben frische Pferde geschickt werden, verschlechtert sich Hueras Zustand. Es kommt zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen Juh und Allison, dem schließlich erlaubt wird, mit Kaytennae zurück zu gehen, um Heilkräuter zu sammeln, mit deren Hilfe Allison tatsächlich dafür sorgt, dass es der Kriegerin wieder besser geht.
Mit den frischen Pferden beginnt am
nächsten Tag über einen Zickzackpfad der mehrstündige Aufstieg zur
Mesa, wo Nunez den Mann kennenlernt, der sich den Entführungsplan
ausgedacht hat. Wie er und Allison schon erwartet haben, handelt es
sich nicht um einen Apachen. Allen lässt den Leser lange gekonnt im
Unklaren, bis er auf wirkungsvolle Weise enthüllt, was das Besondere
an dem Mann ist (S. 65 f. der Heyne-Ausgabe):
He spoke no
further word until Allison and the Texas boy were brought before him.
Then he waited deliberately to watch the captive Tejano’s
startlement to see a man of his kind in the jacal
of He
Who Has the Plan. “Why, blame it all, Reverend,” Little Buck complained indignantly to me, “this here feller’s a nigger.” |
Er sagte kein Wort
mehr, bis man Allison und den Texas-Jungen hereingebracht hatte. Dann
wartete er absichtlich noch etwas länger, um das Erschrecken des
langen Texaners zu beobachten, der nun einem Mann von diesem Aussehen
in einer apacheria
gegenüberstand. „Also, was sagt man dazu, Reverend?“ beklagte sich Little Buck empört bei mir. „Dieser Mann hier ist doch ein… Nigger!“ |
Robert E. Lee Flicker ist ein ehemaliger Sklave, der trotz seiner Hautfarbe auf die Militärakademie West Point gelangt war. Dort geriet er fälschlicherweise in Verdacht, die Verlobte seines Zimmerkameraden Jefferson Flowers missbraucht zu haben. Er wurde zwar nicht verurteilt, musste aber auf seine angestrebte Offizierslaufbahn verzichten und sich mit einem Mannschaftsdienstgrad begnügen. Als Sergeant wurde er nach Fort Bliss versetzt, wo er sich in die Tochter eines Marketenders verliebte, die jedoch kurze Zeit, nachdem Leutnant Flowers dort einen Posten übernommen hatte, ermordet wurde. Flicker war sich sicher, dass Flowers die beiden Verbrechen begangen hatte, und ebenso sicher, dass der jüngste Mord ihm zur Last gelegt werden würde. Daher ist er nach Mexiko geflohen, wo er sich schließlich den Apachen angeschlossen und diese von seinem Plan überzeugt hat.
Nunez und Allison ist klar, dass Flicker und Juh sie, weil sie nun den geheimen Weg zur Bergfestung kennen, nicht einfach gehen lassen können. Von Kaytennae, der sich in Nunez’ Schuld sieht, erfahren sie, dass Huera, die bei den Nednhi-Apachen einen Sonderstatus als „heilige Frau“ genießt, beabsichtigt, Flicker zum neuen Kriegshäuptling zu machen. Juh, dem vorgeworfen wird, den Plan durch seine Geschwätzigkeit in Gefahr gebracht zu haben, soll Gelegenheit erhalten, seine Ehre dadurch wiederherzustellen, dass er Allison, von dem er sich hat demütigen lassen, im Zweikampf tötet. Ein Fluchtversuch von Allison und Nunez misslingt.
Das ist die vormals erwähnte Stelle, an der auch Allen vorgreift, denn Original-Kapitel 25 (Kapitel 14 der Heyne-Ausgabe, S. 81) beginnt in der Hütte von Juhs ältester Frau, die als Tulip bekannt ist und bei der Little Buck untergebracht ist. Nunez ist zu ihr geflüchtet, weil er hofft, dort Kaytennae anzutreffen. Und erst in Beantwortung einer Frage Tulips erfährt der Leser, dass Allison zuvor geschnappt wurde.
In der Vorbereitung des Zweikampfes
wendet sich der stark angetrunkene Juh am Ende von Original-Kapitel
27 (Kapitel 15 der Heyne-Ausgabe, S. 90 f.) mit einer ungewöhnlichen
Bitte an Little Buck, den er mittlerweile regelrecht in sein Herz
geschlossen hat:
“You could do a
favor for me. You remember our brave song?” “I
would like to sing it with you, ish-ke-ne.” |
„Du könntest
mir einen Gefallen tun. Du erinnerst dich doch noch an dein tapferes
Lied?“ „Ich
möchte es jetzt gern einmal mit dir zusammen singen, ish-ke-ne.“ |
Leider verrät Dunkel dem deutschen Leser nicht, um welches Lied es sich handelt. Im Original folgt eine nicht ganz textsichere Version von The Yellow Rose of Texas, in die Juh mit einer Mischung aus Apache-Dialekt, Spanisch und nachgeahmtem Englisch einstimmt. Der Ich-Erzähler Nunez ist ganz gerührt, obwohl er als Mexikaner das Lied überhaupt nicht kennt.
Als Little Buck auch in der Heyne-Ausgabe gegen Ende des Romans bedauert, dass Juh nun niemanden mehr habe, der ihm den Rest von Yellow Rose beibringt (S. 120), scheint Dunkel nicht bedacht zu haben, dass er den Anknüpfungspunkt für diese Äußerung dreißig Seiten vorher ausradiert hat.
Das seitenlang vorbereitete Lanzenduell zwischen Juh und Allison fällt dann allerdings im letzten Augenblick aus, weil zwei Apachen ins Lager stürmen und berichten, sie hätten Kifer und seine Skalpjäger bis Casas Grandes verfolgt, wo mindestens fünfzig US-Kavalleristen lagerten, die auf der Suche sowohl nach dem schwarzen Deserteur Flicker wie auch nach den Apachen seien, die den Sohn des Gouverneurs entführt hatten. Gegen die Zusage einer Amnestie für sich und seine Männer habe sich Kifer angeboten, die Soldaten zu Juhs Bergfestung zu führen. Sie warteten nur noch auf einen Wagenzug, der eine Haubitze und Sprengstoff bringen soll, um damit den einzigen Zugang zur Bergfestung zu zerstören. Und das Kommando habe ein Leutnant namens Flowers.
Flicker ordnet den sofortigen Aufbruch Richtung Casas Grandes an, um den Wagenzug abzufangen, ehe er die Mission erreicht. In dem allgemeinen Durcheinander können Allison, Nunez und Little Buck mit Hilfe von Tulip und Kaytennae ihren Bewachern entkommen, nicht zuletzt, weil Juh seinen Stammesbrüdern erklärt, dass sich eine Verfolgung nicht lohne, weil es ja nur einen Weg hinunter von der Mesa gebe. Kaytennae führt sie jedoch zu einem geheimen Pfad, der an anderer Stelle als der von den Apachen benutzte Zickzackpfad bergab führt.
Im Original erzählt Kaytennae seinen
Begleitern, dass er diesen Pfad vor einigen Jahren zufällig entdeckt
und Juh davon berichtet habe, der ihm gesagt habe, er kenne ihn auch,
sonst aber niemand. Dunkel lässt diese durchaus ein wenig
ausschweifende Erzählung aus, baut sie an anderer Stelle aber in
einer sehr verkürzten Form so geschickt ein, dass die Abweichung von
Allens Reihenfolge gar nicht auffällt (S. 106 f. der Heyne-Ausgabe):
“Mary save us!”
I cried. |
„Ein Wunder der
Heiligen Jungfrau Maria!“ sagte ich. „Zu unserer Rettung!“ |
Nach dem Abstieg machen sie sich auf den Weg zum Old Campground, laufen aber einer Gruppe von Warm-Springs-Apachen in die Arme, die vom berüchtigten Loco angeführt werden. Als diese im weiteren Verlauf auf zwei Krieger aus Juhs Gruppe stößt und Loco erfährt, worum sich alles dreht, werden sie nach Casas Grandes zu Juh und Flicker gebracht.
Als sie unterwegs den Old Campground passieren, greift Allen nochmals das Schicksal der beiden Skalpjäger auf, was Dunkel den deutschen Lesern aber erspart:
I remembered that return to Old Campground for one thing — the pure fault of Little Buck Buckles.
As we went by the white sand beach I was straining to look away from it. But the damnable boy called out, “Hey, Reverend, looky there! Jesus! Did you ever see such a passel of ants acoming outen only two dinky holes?”
I looked, may God forgive the sight.
But He never will.
The “two holes” of Little Buck’s delighted outcry were the places where the scalpers’ heads had been before the lobos came, now coal-black with the swarming millions of carnivorous soldier ants dining endlessly on what the wolves could not reach.
Flicker und sein Kriegstrupp überfallen
den Wagenzug und kehren mit der erbeuteten Haubitze zurück, mit der
am nächsten Morgen die Soldaten in der Mission beschossen werden
sollen. Als Flicker Nunez stolz das Geschütz zeigt, unterläuft
Dunkel ein erstaunlicher Übersetzungsfehler, der den Sinn des von
Flicker Gesagten in sein Gegenteil verkehrt (S. 114 der
Heyne-Ausgabe) (6):
“Father Nunez,” he said, “God will have to judge between us. This vengeance is mine, not His.” | „Pater Nunez…“, sagte Flicker zu mir. „Gott wird der Richter zwischen uns sein müssen. Sein ist die Rache, nicht mein.“ |
Für ein paar humoristische Einlagen ist Allen immer gut, sie werden
aber nicht alle von Dunkel gewürdigt. Ein Beispiel für ihr
Auslassen gibt es, als es Nunez gelingt, Kaytennae, Little Buck und
Allison zu befreien (S. 116 der Heyne-Ausgabe):
“Hold onto your
knife,” he answered, voice held low now. “I know where at they
got old Ben Allison. Heard one of these here pony-guard bucks
a-telling Otsai abouten it. They didn’t know I savvied
Mexican.” | „Sie sollen Ihr Messer parat halten“, wiederholte Little Buck. „Ich weiß nämlich zufällig, wohin sie Ben Allison gebracht haben. Hab’s von einem der Wächter gehört, der’s Otsai erzählt hat. Die beiden hatten ja keine Ahnung, daß ich auch Mexikanisch verstehe.“ |
Da Kaytennae die Soldaten in der Mission mit Spiegelsignalen warnt, verursachen die danach dort einschlagenden Granaten, die Flicker mit der Haubitze abfeuert, keine Verluste. Weshalb Kaytennae in dieser Weise eingreift, unterschlägt Dunkel jedoch, denn Allen schreibt unübersetzt:
We could only believe that he did it in hope to save Apache lives — to stop the war before the black soldier started it with the big gun — for to think the young warrior would do it to spare the trapped American troops is to be utterly ignorant of the Apache way.
Durch einen Tunnel, durch den – wie der Leser nicht nur in der Heyne-Version, sondern auch im Original jetzt erstmals erfährt – Nunez und Allison Tage zuvor auf ihrem Weg zu Bustamante ungesehen aus der Kirche nach draußen gelangt waren, kommen Nunez, Allison und Little Buck nun ungesehen in die Kirche hinein, während Kaytennae sich unbemerkt von ihnen trennt. Allerdings wird die Kirche durch den Einschlag einer Granate schwer beschädigt.
Als die Apachen sich auf den
endgültigen Sturm auf die Mission vorbereiten, ist es Kaytennae, der
dieses Mal die Apachen mit Spiegelsignalen warnt, dass sich eine
große Truppe von Texas Rangers nähert. Während die Apachen sich
vor der Übermacht zurückziehen, dringt Flicker in die Mission ein,
um seinen Erzfeind Flowers zu finden. Er stellt ihn schließlich vor
dem Altar, vollzieht seine Rache aber nicht (S. 125 der
Heyne-Ausgabe).
Flicker turned his back on the sobbing hysteria of the officer and gentleman that he himself could never be, and all the black man said to him, so low and quiet that the Texan and I barely made it clear, was, “God help you.” | Der Neger-Deserteur wandte dem hysterisch schluchzenden Offizier und Gentleman, was Flicker niemals hatte werden können, verächtlich den Rücken zu und murmelte so leise, daß Allison und ich ihn kaum verstehen konnten: „Gott helfe dir!“ |
Als Flicker sich anschickt, die Kirche in der sicheren Erwartung zu
verlassen, draußen erschossen zu werden, bringt Allison ihn dazu,
sich Nunez anzuvertrauen. Auch dies wird von Allen wirkungsvoll
beschrieben (S. 125 der Heyne-Ausgabe).
I took Flicker’s
arm, and he came with me then. Allison did not once turn our way, but
put his back to us and, when I last saw him, he was unbarring the
doors of my church and letting the Yanqui soldiers rush in with their
rifles at the ready, to execute the black deserter. |
Ich langte nach
Flickers Arm, und da kam der Schwarze mit mir. |
Gouverneur Buckles, der die Entsatztruppe höchstpersönlich zusammengestellt hat, stellt Allison auf dessen Wunsch ein Papier aus, das ihn wegen des Pferdediebstahls in El Paso straffrei stellt. Sodann macht er sich mit den Rangers, seinem Sohn Little Buck und den US-Kavalleristen umgehend auf den Rückweg nach Texas.
Als Nunez und Allison die beiden Mulis und die sonstigen Sachen, die Allison Bustamante entwendet hatte, zum alcalde zurückbringen, bedankt sich dieser, indem er Allison einen von ihm kürzlich eingefangenen Hengst überlässt, bei dem es sich natürlich um das in El Paso entwendete Pferd handelt. Allison will sich an Santiago Kifers Spuren heften, und so trennen sich die Wege von Nunez und dem Texaner.
An dieser Stelle scheint Dunkel erkannt
zu haben, dass er auf der allerletzten Seite noch überraschend viel
Platz hat. Aber anstatt diesen für Auszüge aus Allens Epilog zu
nutzen, schmückt er das Ende der Geschichte mit eigenen Worten aus,
die Allen nie geschrieben hat (S. 128 der Heyne-Ausgabe):
“Luck, Padre,”
was all he said. |
„Viel Glück,
Padre!“ sagte Allison. |
In dem in der deutschen Ausgabe fehlenden Epilog siedelt Allen die Geschichte in einem Zeitraum irgendwann zwischen 1868 und 1873 (jedenfalls „considerably later than 1866“) an und betont nochmals, dass Little Buck nicht etwa zur später durch Geronimo berühmt gewordenen Bergfestung Pa-gotzin-kay, sondern zu Juhs Bergfestung gebracht wurde.
Einige weitere ausgewählte Punkte seien wie folgt zusammengefasst:
Obwohl Nunez beschrieben habe, dass die anfangs in seiner Mission getöteten Texas Ranger von den Angehörigen der Entsatztruppe identifiziert worden seien, gebe es dafür in offiziellen Dokumenten der Texas Ranger oder der US-Armee keine Bestätigung.
Der Franziskaner-Orden habe sich niemals dazu geäußert, dass es überhaupt eine Missionskirche in Casas Grandes gegeben habe. Und in Chihuahua könne sich auch niemand an sie erinnern. Das sei aber damit zu erklären, dass die Überreste der beschädigten Kirche im Laufe der Jahrzehnte Stück für Stück von Menschenhand sowie durch die große Flut von 1889 davongetragen worden seien.
In einer cantina in Casas Grandes seien viele Jahre lang verschiedene Memorabilia wie etwa der Walker Colt und die beiden Schlachtermesser aufbewahrt worden, ja sogar der Krug, den Juh bei sich gehabt habe, als er eines Tages, was ja feststehe, betrunken in den Casas Grandes River gefallen und ertrunken sei.
Kaytennae sei tatsächlich der später zu Bekanntheit gelangte Apache desselben Namens. Wenn seine hier geschilderten Erlebnisse nicht zu dessen offizieller Biografie passten, dann liege das daran, dass seine Lebensgeschichte von weißen Historikern verfasst worden sei, die sich nicht einmal über sein Alter und die Schreibweise seines Namens einig seien.
Über Little Bucks weiteres Leben sei nichts Verlässliches bekannt. Vermutlich habe er seinen Namen geändert und sei zu einem Gesetzlosen geworden.
R.E.L. Flicker sei spurlos aus der Kirche verschwunden. Am Wahrscheinlichsten sei, dass er, nachdem Nunez, wie dieser selbst gesagt habe, ihm die Beichte abgenommen habe, durch den Tunnel nach draußen gelangt sein dürfte. Vielleicht habe er sich auf die Suche nach Huera gemacht.
Zutreffend sei, dass man am Old Campground keine Leichen gefunden habe. Das lasse sich aber ohne Weiteres damit erklären, dass Juh sie später in irgendeiner Bergspalte habe verschwinden lassen.
Anhand von Nunez’ Angaben sei am Ehesten anzunehmen, dass es sich bei der Haubitze um einen M1861 Rodman Neuneinhalb-Pfünder gehandelt habe.
Ein wenig wundern kann man sich schon über die Mühe, die Allen aufwendete, um seine Geschichte wie tatsächlich geschehen aussehen zu lassen, denn dass es niemals einen texanischen Governeur namens Henry Garnet Buckles gab, dürfte auch zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung des Romans nicht schwer in Erfahrung zu bringen gewesen sein.
Zum Schluss noch ein bisschen Statistik zu den Unterschieden zwischen den beiden Versionen:
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Es ist nicht daran zu rütteln, dass ein Leser des Heyne-Taschenbuchs auf deutlich mehr als ein Viertel des Originaltextes verzichten muss. Neben den drei vollkommen ausgelassenen Kapiteln sind weitere vier Kapitel auf weniger als die Hälfte gekürzt; immerhin acht Kapitel wurden allerdings auch zu mehr als neunzig Prozent übersetzt.
Fußnoten
- Der hier besprochene Band kostete bereits DM 3,80, was eigentlich der Preis für 160 Seiten (10 Druckbögen) war. Bände mit 176 Seiten (11 Druckbögen) kosteten DM 4,80. --- Zurück zum Text
- Das amerikanische Original kann man im Internet unter https://clay-fisher.freenovelread.com/459760-apache_ransom finden.--- Zurück zum Text
- Die Schreibweise müsste in korrektem Spanisch wohl so aussehen: Pánfilo Álvar Núñez. Da Allen und Dunkel jedoch auf Akzente und Tilde verzichten, handhabe ich es im Rahmen dieses Beitrags ebenso.--- Zurück zum Text
- Ein einziges Mal taucht im Original versehentlich die Schreibweise „Bustamente“ auf, die von Dunkel allerdings durchgängig verwendet wird.--- Zurück zum Text
- Natürlich kann ich nicht mit Gewissheit sagen, dass dies Dunkels Entscheidung war. Vorstellbar ist auch, dass er als Übersetzer einen längeren Text beim Verlag abgeliefert hatte und irgendein Verlagsredakteur nachträglich entschied, das Buch mit geringerem Umfang herauszubringen, und zu diesem Zweck die drei Kapitel ersatzlos strich. Mir ist nicht bekannt, ob Alfred Dunkel noch lebt oder nicht, sodass ich keine Möglichkeit sehe, ihn dazu zu befragen. --- Zurück zum Text
-
Es gibt noch zwei
weitere Stellen, an denen Dunkel Aussagen in ihr Gegenteil verkehrt.
S. 20: „Wir haben sie doch Tag für Tag gezählt, seit wir
ihnen gefolgt sind“ für „We counted them every day for each of
the days they have run us“ – Die Apachen sind nicht den Texanern
gefolgt, sondern sie wurden von diesen verfolgt; S. 88: „Der
alte Ben Allison wird von Juh eine Mordspracht Prügel beziehen.“
für „Old Ben was agoing to thrash the liver-lights out of the old
chief.“ – Little Buck erwartet, dass nicht Ben verprügelt wird,
sondern er dem Häuptling eine Tracht Prügel verabreichen wird.
Außerdem gibt es ein paar Fehler aus Flüchtigkeit (S. 29: „Sonnenaufgang“ für „sunset“; S. 32: „fünf“ für „four“; S. 68: „Südosten“ für „Southwest“; S. 95: „brauchst“ statt „braust“ für „brew“; S. 108: „von mittlerer Größe“ statt „mittlerem Alter“ für „medium age“; S. 116: „Mexikaner“ für „Texan“) und Fehler aufgrund von Missverständnissen (S. 14: „Das Geheimnis war von mehr als einem Hirten der Casas Grandes-Herde bewahrt worden, und durch die Gnade des Heilands war auch zu meiner Zeit noch alles intakt“ für „Its secret had saved more than one shepherd of the Casas Grandes flock, and it was by Savior’s Grace still intact in my time“ – Es geht darum, dass die Existenz des geheimen Zugangs die Seelenhirten rettete; S. 17: „Die Nednhi standen stumm da und warteten“ für „The famed Nednhi stood silently waiting“ – Es wartet nur ein einziger Nednhi, nämlich der berühmte Juh; S. 20: „Juh ließ seinen Blick überall in der Mission herumhuschen. Er untersuchte den Boden rund um den Leichenstapel, ohne diesen jedoch auch nur einen Zoll zu bewegen“ für „Juh sent his hawk’s vision to stabbing every corner of the mission’s inner space. He examined the earth about the pile of bodies, all without moving an inch“ – Juh ist es, der sich nicht von der Stelle bewegt; S. 24: „daß die Kutsche eine Stunde früher abgefahren [war] und jetzt El Paso schon ein paar Meilen hinter sich hatte“ für „his coach was an hour early leaving El Paso, and we was already seven, eight miles behind it“ – Sie sind es, die sieben, acht Meilen Rückstand auf die Kutsche haben; S. 44: „Sie halfen mir, den Texaner aufs Pferd zu heben“ für „They assisted me in handing up to the Texan, once he was mounted on the animal, Huera’s motionless form“ – Nicht der Texaner wird aufs Pferd gehoben, sondern Huera wird ihm hochgereicht; S. 45: „Wir waren nicht höher als eine halbe Meile gestiegen“ für „We had climbed no more than half a mile“ – Es geht nicht um den Höhenunterschied, sondern um die Länge der Wegstrecke, richtig wäre etwa „Wir waren nicht mehr als eine halbe Meile weit geklettert“; S. 88: „Er hatte gesehen, wie man auf seine Erzieherin geschossen hatte, um sie an der Flucht zu hindern“ für „He had seen the governess shot as she ran“ – Er hatte gesehen, wie sie erschossen wurde, als sie weglief; S. 96: „Sie fielen hier buchstäblich von ihren Pferden, die mit ihren Kräften am Ende waren. Aber die beiden Späher konnten nicht stillstehen. ,Und hört euch das mal an!‘“ für „They virtually fell from their exhausted mounts. But they themselves could still stand. And listen to this!“ – Falsche Verneinung und falsche wörtliche Rede, richtig wäre etwa „Aber sie selbst konnten sich noch auf den Beinen halten. Und was sie zu berichten hatten!“; S. 109: „sagte er und machte eine weitausholende Geste in unsere Richtung“ für „he said to us with a futile little wave“ – Genau das Gegenteil: ein hilfloser kleiner Wink; S. 111: „konnten wir alles sehen“ für „we could all see“ – Richtig wäre etwa: „Wir alle konnten sehen“; S. 123: „entdeckte ich Ben Allison, der aus einem Gewehr feuerte“ für „I saw Ben Allison with a rifle hot from firing“ – Er feuert nicht, sondern der Lauf seines Gewehrs ist vom Schießen glühendheiß).
Ab und zu wird aber auch eine englische Redewendung verkannt. S. 44: „Der Apache antwortet nicht schicho für irgendeinen Tejano Diablo“ für „The Apache does not answer schicho to any Tejano Diablo“ – Richtig wäre etwa: „Von keinem Tejano Diablo lässt sich ein Apache schicho nennen“; S. 81: „Das war praktisch das einzige, was sie noch mit Juh verband… die Vorliebe für Fusel“ für „Indeed, she was next only to Juh in her enjoyment of the jug“ – Richtig wäre etwa: „In ihrer Vorliebe für Fusel wurde sie nur von Juh übertroffen“; S. 84: „Ich konnte mir einfach nicht helfen“ für „I could not help myself“ – Richtig wäre etwa: „Ich konnte nicht anders“; S. 115: „als der Apache-Jüngling ohne Warnung von meiner Seite verschwand“ für „when, without warning, the Nednhi youngster bolted from my side“ – Es geht nicht um eine Warnung, sondern darum, dass er verschwand, ohne vorher etwas zu sagen. --- Zurück zum Text
© Reinhard Windeler, 2026

%20eBay.png)
%20eBay.png)




Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen