Pierre Brice wurde als Baron Pierre Louis Le Bris am 6. Februar 1929 in Brest geboren. Mit 15 schloss er sich als Anhänger von Charles de Gaulles dem Widerstand an, hatte aber während des Zweiten Weltkrieges eine Deutsche als Freundin.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges ging Pierre Brice mit dem Militär nach Algerien, wo er zum Fallschirmjäger ausgebildet wurde. Nach seiner Ausbildung kämpfte er vier Jahre lang in Indochina (dem heutigen Vietnam).
1951 kehrte Pierre Brice aus Indochina zurück und entschied sich – trotz der Vorbehalte seines Vaters – Schauspieler zu werden. Er nahm zwar Schauspielunterricht bei dem russischen Schauspieler Grégory Chmara, die erhofften Engagements blieben aber aus.
So verkaufte Pierre Brice, anstatt Schauspieler zu werden, erst einmal Schreibmaschinen, arbeitete als Model für Werbung und schloss sich der Artistengruppe "Trio Gansser" als akrobatischer Tänzer an.
1955 bekam Pierre Brice seine erste kleine Filmrolle in „HARTE FÄUSTE - HEISSES BLUT“ und gab damit sein Film-Debüt als Schauspieler. Zudem spielte er am Theater und stand dort in Stücken von Leo Tolstoi und Victor Hugo auf der Bühne.
Nach seiner ersten Filmrolle sah man Pierre Brice in Filmen wie „LE SEPTIÈME CIE" (1958), „DIE SICH SELBST BETRÜGEN" (1958), „DER TAG UND DIE NACHT" (1958), „DEM TEUFEL VERSCHRIEBEN" (1959) und „AUFSTAND DER TSCHERKESSEN" (1960).
1959 bekam er die Chance nach Hollywood zu gehen, unterschrieb den Hollywood-Vertrag allerdings nicht, weil er in der italienischen Filmindustrie beschäftigt war und ihm eine Rolle in Fellinis „LA DOLCE VITA“ winkte. Aus der dann allerdings doch nichts wurde.
1960 erhielt Pierre Brice seine erste Hauptrolle in „UNSCHULD IM KREUZVERHÖR“. Weitere Hauptrollen folgten in den europäischen Produktionen „DIE BACCHANTINNEN“ (1961), „AKIKO“ (1961), „LOS ATRACADORES“ (1962), „DOUCE VIOLENCE“ (1962) und „RITT IN DIE FREIHEIT „(1962).
1962 gewann der Schauspieler auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin (vom 22. Juni bis zum 3. Juli 1962) einen SILBERNEN BÄREN für seine Nebenrolle in dem spanischen Film „LOS ATRACADORES“.
Auf der Berlinale begegnete er dem deutschen Produzenten Horst Wendlandt, der ihm die Rolle des WINNETOU in der geplanten Karl-May-Verfilmung „DER SCHATZ IM SILBERSEE“ anbot.
Doch Pierre Brice war zunächst skeptisch und von der Rolle nicht sehr überzeugt und lehnte sie daher ab. Aber nachdem ihm seine Freundin und seine Agentin überreden konnten, diese einmalige Chance wahrzunehmen, änderte er seine Meinung und sagte schließlich doch zu.
Und 1962 geschah das, mit dem keiner gerechnet hatte. „DER SCHATZ IM SILBERSEE“ wurde ein riesiger Erfolg an den deutschen Kinokassen und bekam am 22. Januar 1964 eine GOLDENE LEINWAND für über drei Millionen Besucher innerhalb von 12 Monaten sowie am 19. April 1964 einen BAMBI für den geschäftlich erfolgreichsten Film 1963.
Aber auch für den Schauspieler Pierre Brice änderte sich alles mit der Rolle des WINNETOU. Er wurde nicht nur zum Star in Deutschland, sondern auch zum Idol einer ganzen Generation.
Bedingt durch seinen Erfolg, zierte Pierre Brice 56 Mal die Titelseite der BRAVO. Außer Nena schaffte diesen Rekord niemand anderes. Zudem widmete ihm die Zeitschrift drei Starschnitte.
Hinzu kamen zwölf BRAVO-Ottos (1964–1972 sowie 1976–1978), davon neun in Gold, und fünf Bambis (1964, 1967, 1968, 1987, 1990).
Nach dem Erfolgsfilm „DER SCHATZ IM SILBERSEE“ wurden auch die nachfolgenden Karl-May-Verfilmungen mit Pierre Brice, "WINNETOU I" (1963), „OLD SHATTERHAND“ (1964), „WINNETOU 2“ (1964), „UNTER GEIERN“ (1964), „DER ÖLPRINZ“ (1965) und „WINNETOU 3“ (1965), zu Erfolgen an den deutschen Kinokassen und gewannen ebenfalls jeweils eine GOLDENE LEINWAND.
Dafür waren seinen anderen europäischen Filmproduktionen wie „ROBIN HOOD IN DER STADT DES TODES“ (1963), „ZORRO GEGEN MACISTE – KAMPF DER UNBESIEGBAREN“ (1963), „DIE GÖTTIN VOM RIO BENI“ (1964), „DIE HÖLLE VON MANITOBA“ (1965) und „DER LETZTE GROSSE SIEG DER DAKER“ (1966) kein Erfolg beschieden, da sich die Kinozuschauer mit dem Schauspieler nur als Winnetou identifizierten konnten und wollten und Pierre Brice nur in dieser Rolle akzeptiert wurde.
Mitte der 1960er Jahre macht sich langsam eine gewisse Kinomüdigkeit unter den deutschen Kinobesuchern breit.
Die Besucherzahlen gingen rapide zurück und mit „OLD SUREHAND“ schaffte es 1965 der erste Karl-May-Verfilmung nicht mehr, eine GOLDENE LEINWAND zu gewinnen, da die drei Millionen Grenze nicht geknackt werden konnte. Aber immerhin erreichte „OLD SUREHAND“ noch über 2,5 Millionen Besucher.
Und auch die nachfolgenden Filme in Gestalt von „WINNETOU UND DAS HALBBLUT APANATSCHI“ (1966) und „WINNETOU UND SEIN FREUND OLD FIREHAND“ (1966) lockten nicht mehr genug Besucher in die Kinos, so dass Horst Wendlandt die Notbremse zog und schließlich die „KARL MAY“-Reihe einstellte.
1968 ritten Pierre Brice und LEX BARKER in dem Arthur-Brauner-Film „WINNETOU UND SHATTERHAND IM TAL DER TOTEN“ dann zum letzten Mal als Winnetou und als Old Shatterhand über die Kinoleinwand. Der Film floppte jedoch an den Kinokassen. Und damit war die Karl-May-Ära im deutschen Kino beendet.
Nach dem Ende der „Karl May“-Ära versuchte Pierre Brice zwar an seinen alten Erfolg als WINNETOU anzuschließen, was ihm allerdings nicht gelang.
So drehte der Schauspieler ab den 1970er Jahren vorwiegend in Italien und war dort unter anderem in Filmen wie „UN GIORNO, UNA VITA" (1970), „LA NOTTE DEI DANNATI" (1971), „FÉMININ-FÉMININ" (1973), „UNA CUERAD AL AMANECER" (1974) und „DIE PUPPE DES GANGSTERS" (1975) zu sehen.
Hinzu kamen Rollen in einigen TV-Produktionen. So unter anderem 1976 die Rolle des AKAM in der Serie „DIE MÄDCHEN AUS DEM WELTRAUM“ (in der englischen Fassung Adam).
Doch Mitte der 1970er Jahre tauchte ein Licht am Ende des Karriere-Tunnels von Pierre Brice auf.
1976 kehrte Pierre Brice als WINNETOU zurück. Diesmal agierte er aber nicht auf der Kinoleinwand als Häuptling der Apachen, sondern er spielte den Winnetou live und vor Publikum auf der sauerländischen Naturbühne in Elspe, nachdem dort der Winnetou-Darsteller Peter Löher nicht mehr zur Verfügung stand.
Die Besucherzahlen verdeutlichen, dass Pierre Brice dort als Winnetou wieder als Besuchermagnet fungierte.
Waren es 1976 gerade mal über 145 Tausend Besucher, stieg die Zahl mit dem Karl-May-Stück DER ÖLPRINZ, der ersten Live-Aufführung mit Pierre Brice, bereits auf über 250 Tausender Besucher an. Bis 1980 stiegen sie sogar bis über 404 Tausend an.
1981 heiratete Pierre Brice seine langjährige Freundin Hella Krekel, mit der er seit 1978 zusammen lebte. Eine Winnetou-Tournee im selben Jahr scheiterte, weil der Veranstalter das Geld veruntreute und in Konkurs ging. Aus diesem Grund wurde die Tournee nach nur wenigen Auftritten vorzeitig abgebrochen.
Nach diesem kurzen Intermezzo, kehrte Pierre Brice 1982 erneut als Winnetou nach Elspe zurück. Und nachdem die Besucherzahlen 1981 wieder zurückgegangen waren, stiegen sie nach der Rückkehr des Schauspielers erneut an.
Nachfolgend die Besucherzahlen zwischen 1975 und 1986 im Überblick
| 1975 | Im Tal des Todes | 145.632 |
| 1976 | Der Ölprinz | 252.602 |
| 1977 | Der Schatz im Silbersee | 326.453 |
| 1978 | Winnetou I | 392.663 |
| 1979 | Winnetou II | 387.092 |
| 1980 | Winnetou III | 404.758 |
| 1981 | Im Tal des Todes | 301.675 |
| 1982 | Der Schatz im Silbersee | 351.061 |
| 1983 | Der Ölprinz | 336.744 |
| 1984 | Winnetou I | 366.829 |
| 1985 | Winnetou II | 311.100 |
| 1986 | Winnetou III | 339.429 |
Bedingt durch den Erfolg von Pierre Brice in Elspe, wurde auch wieder das Fernsehen auf den Schauspieler aufmerksam. Und so lief 1980 die Mini-Serie MEIN FREUND WINNETOU über die bundesdeutschen Fernsehgeräte, in der auch RALF WOLTER als Sam Hawkins zu sehen war.
In der TV-Serie entfernte sich Pierre Brice bewusst von der Darstellung des Winnetous aus den Karl-May-Romanen und den Filmen aus den 1960er Jahren, und setzte stattdessen auf eine realistische Darstellung der nordamerikanischen Indianer.
Nach der Spielzeit des Jahres 1986 trennte sich Pierre einvernehmlich von den Karl-May-Festspielen in Elspe. Diese Chance nutzten die Verantwortlichen der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg, deren Besucherzahlen rapide abgenommen hatten.
Sie engagierten den französischen Schauspieler, der den Winnetou dort von 1988 bis 1991 spielte. Und wie zuvor in Elspe wurde Pierre Brice auch zum Zuschauermagnet in Bad Segeberg, denn die Zahlen stiegen von über 146 Tausend Besuchern (ohne Pierre Brice) bis 1991 auf über 317 Tausend Besucher (mit Pierre Brice).
Nachfolgend mal die Besucherzahlen von 1987 bis 1992 im Überblick
| 1987 | Winnetou I – Blutsbrüder | 146.791 |
| 1988 | Winnetou – Der Apache | 251.554 |
| 1989 | Der Schatz im Silbersee | 260.134 |
| 1990 | Winnetous letzter Kampf | 299.255 |
| 1991 | Winnetou – Das Vermächtnis | 317.395 |
| 1992 | Old Surehand | 220.084 |
1991 legte Pierre Brice sein Winnetou-Kostüm aber endgültig ab, so dass 1992 Gojko Mitić die Winnetou-Rolle übernahm. 1999 kehrte Pierre Brice aber noch einmal nach Bad Segeberg zurück, aber diesmal als Regisseur und inszeniert das Karl-May-Stück HALBBLUT.
Ein letztes Mal war Pierre Brice in dem ZDF-Zweiteiler WINNETOUS RÜCKKEHR als Winnetou zu sehen, der allerdings beim Fernsehpublikum nicht so gut ankam. Das lag u. a. auch daran, dass das ZDF das Drehbuch von Pierre Brice mehrmals umschreiben ließ, so dass vom Originaldrehbuch nicht mehr viel übrigblieb.
Trotzdem nahm das ZDF einen anderen Autor, um das Buch zu korrigieren. Das Resultat war, dass das Skript nicht mehr zu erkennen war. Der andere hat insgesamt vier Versionen geschrieben, dann ist er bei einem Autounfall tödlich verunglückt.
Nach dieser vom ZDF verhunzten „WINNETOU“-Verfilmung hängte Pierre Brice sein Winnetou-Kostüm endgültig an den Nagel.
Danach wurde es etwas stiller um den Schauspieler. Nur ab und zu übernahm er noch einige TV-Rollen. So in den Fernsehfilmen „UTTA DANELLA - DIE HOCHZEIT AUF DEM LANDE“ (2002), „MIT EINEM RUTSCH INS GLÜCK“ (2003) und in „DAS TRAUMHOTEL – ZAUBER VON BALI“ (2005) sowie in Folgen von „IN ALLER FREUNDSCHAFT“ (2007) und „ROTE ROSEN“ (2008).
Am 20. September 2004 erschien seine Autobiographie „WINNETOU UND ICH – MEIN WAHRES LEBEN“ in deutscher Übersetzung.
2009 war Pierre Brice als Nicolas in „HOCHZEITSREISE NACH MARRAKESCH“ in seiner letzten Rolle zu sehen.
Pierre Brice verstarb am 6. Juni 2015 an den Folgen einer Lungenentzündung in einem Krankenhaus bei Paris, nachdem er am 5. Juni dort wegen hohem Fieber eingeliefert worden war.
© by Ingo Löchel
1. Harte Fäuste - heißes Blut (1955)
2. Le septième ciel (1958)
3. Die sich selbst betrügen / Les tricheurs (1958)
4. Der Tag und die Nacht / Le miroir à deux faces (1958)
5. Dem Teufel verschrieben / L'ambitieuse (1959)
6. Aufstand der Tscherkessen / I cosacchi (1960)
7. Unschuld im Kreuzverhör / Il rossetto (1960)
8. Call-Girls / I piaceri del sabato note (1960)
9. Die Mühle der versteinerten Frauen / Il mulino delle donne di pietra (1960)
10. An einem heißen Nachmittag / L'homme à femmes (1960)
11. La donna dei faraoni (1960)
12. Die Bacchantinnen / Le baccanti (1961)
13. Akiko (1961)
14. Los atracadores (1962)
15. Douce violence (1962)
16. Ritt in die Freiheit / Col ferro e col fuoco (1962)
17. Der Schatz im Silbersee (1962)
18. Un alibi per morire (1962)
19. Il giorno più corto (1963)
20. Robin Hood in der Stadt des Todes / L'invincibile cavaliere mascherato (1963)
21. Zorro gegen Maciste - Kampf der Unbesiegbaren / Zorro contro Maciste (1963)
22. Winnetou - 1. Teil (1963)
23. Pacto de silencio (1963)
24. Old Shatterhand (1964)
25. Die goldene Göttin vom Rio Beni (1964)
26. Winnetou - 2. Teil (1964)
27. Unter Geiern (1964)
28. Schüsse im 3/4 Takt (1965)
29. Die Hölle von Manitoba (1965)
30. Der Ölprinz (1965)
31. Winnetou - 3. Teil (1965)
32. Old Surehand (1965)
33. Der letzte große Sieg der Daker / Dacii (1966)
34. Gern hab ich die Frau'n gekillt (1966)
35. Winnetou und das Halbblut Apanatschi (1966)
36. Winnetou und sein Freund Old Firehand (1966)
37. Die Nacht gehört uns/Le 13ème caprice (1967)
38. Le regret de Pierre Guilhem (1968) (TV)
39. Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten (1968)
40. Un giorno, una vita (1970)
41. Erika (1971)
42. La notte dei dannati (1971)
43. Anita (1971)
44. Féminin-féminin (1973)
45. La paroi (1973) (TV)
46. Una cuerda al amanecer (1974)
47. Die Puppe des Gangsters / La pupa del gangster (1975)
48. Wunderland (1983) (TV)
49. Zärtliche Chaoten (1987)
50. Mallorca - Liebe inbegriffen (1993) (TV)
51. Der blaue Diamant (1993) (TV)
52. Winnetous Rückkehr (1998) (TV)
53. Utta Danella - Die Hochzeit auf dem Lande (2002) (TV)
54. Mit einem Rutsch ins Glück (2003) (TV)
55. Das Traumhotel – Zauber von Bali (2005) (TV)
56. Kreuzfahrt ins Glück - Hochzeitsreise nach Marrakesch (2009) (TV)
TV-Serien
1. Die Marquise von B. (1970) (Mini-Serie)
2. Madame êtes-vous libre?
3. L'éloignement (1973)
4. Mort au jury (als Saget, 1974)
5. Die Mädchen aus dem Weltraum/Star Maidens (als Adam, 8 Folgen, 1976)
6. Mein Freund Winnetou (1980) (Mini-Serie)
7. Das Traumschiff (1983)
8. Schöne Ferien (1985)
9. Die glückliche Familie (1987)
10. Orages d'été (1989)
11. Die Hütte am See (Mini-Serie)
12. Ein Schloß am Wörthersee (als André Blondeau, 17 Folgen, 1991-1993)
13. Klinik unter Palmen (als Jean-Claude Valentine, 3 Folgen, 1996)
14. In aller Freundschaft (1 Folge, 2007)
15. Rote Rosen (2 Folgen, 2008)
| © by Ingo Löchel |




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